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29.04.2014 | | Fashion

YSL: Die Schönheit als Maßstab aller Dinge

©SquereOne/Universum

Mit dem Biopic „Yves Saint Laurent“ haben Regisseur Jalil Lespert und Drehbuchautor Laurence Benaim einem der wichtigsten Modeschöpfer des 20. Jahrhunderts, der im Jahr 2008 nach langer Krankheit starb, ein würdiges Denkmal gesetzt. Der Film begleitet den Weg des schüchtern-verletzlichen Laurent, der im Alter von 21 Jahren zunächst als Assistent bei Christian Dior arbeitete und aufgrund seines Verständnisses für Mode und seine genialen Fähigkeiten kurze Zeit nach Diors Tod die modische Leitung des Traditionshauses übernimmt. Bereits hier merkt man, welch zerbrechliche Person Laurent war und im tiefsten Inneren bis zu seinem Tode blieb. Unglaublich gut verkörpert Guillaume Gallienne den Modeschöpfer in seiner zurückgenommenen Art und weckt im Zuschauer den Beschützerinstinkt, wenn er sich als Laurent gequält von innerer, körperlicher Pein vor Interviews und der Öffentlichkeit zurückziehen will, um seiner Leidenschaft nachzugehen – die Schönheit in seinen Kompositionen einzufangen. Doch Genie und Wahnsinn liegen auch bei diesem jungen Künstler – der sich nie als solcher sehen wollte – nah beieinander. Nach der Gründung seines eigenen Modehauses und ersten Anfangserfolgen kommen in den 70er Jahren nahezu selbstzerstörerische Momente hinzu. Laurent gibt sich dem Alkohol und den Drogen hin und fordert den Tod nahezu hinaus. Über den gesamten Weg begleitet ihn der französische Unternehmer Pierre Bergé, der 50 Jahre an der Seite des kreativen Geistes verbrachte.

Gerade auf das Verhältnis von Laurent und Bergé wird in dem Film ein großes Augenmerk gelegt. Die Beziehung der beiden war geprägt von der besonderen Liebe der beiden Männer. Am Anfang ist Laurent der kongeniale Créateur, der am liebsten zurückgezogen und allein an seinen Kollektionen arbeitet, weil er an der grausamen Welt zu zerbrechen droht. Bergé fungiert für ihn als eine Schutzmauer und hält schädliche äußere Einflüsse von ihm ab. Später wird Laurent offener und muss vor sich selbst und seinen Exzessen geschützt werden. Auch hier ist Bergé wieder wie eine Mauer, die nun allerdings versucht, Laurent von der Außenwelt abzuschirmen. In vielen Momenten leidet man mit YSL und seiner Zartheit, in anderen Momenten schaut man mit Unverständnis zu, wie er Bergé mit anderen Männern hintergeht. Spannend wäre es gewesen, einen tieferen Einblick in die Seele Bergés zu bekommen – wie geht es ihm, wenn er Laurent betrunken am Boden kauern sieht oder ihn an jemand anderes zu verlieren droht? Hier bleibt der Film recht spekulativ. Der Zuschauer ist auf sich selbst zurückgeworfen und muss sich diese Gefühlswelten selbst konstruieren.

Alles in allem aber ein wundervoller Film, der weniger die Mode, als vielmehr die Person in den Mittelpunkt stellt. Ein wahrer Segen, gerade da mit YSL einer der letzten wirklich großen Persönlichkeiten im Modegeschäft dahinschied. Die Kreativen, die heute hinter den großen Häusern stehen, sind leider nur noch Namen.

Unbedingt sehenswert – besonders auf der großen Leinwand. Zur Zeit läuft der Film zum Beispiel im Cinemaxx am Potsdamer Platz in Berlin in einem kleinen und gemütlichen Saal, der für die Stille und Ruhe des Films mehr als angemessen ist.

©SquereOne/Universum

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Bildquelle Slideshow-Bild: ©SquereOne/Universum

Autor: Benjamin Blum

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