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13.07.2015 | | Lifestyle

Wir warten… hoffentlich nicht vergebens

Frauen warten auf einer Bank

Mein Vater prägte für mich den Satz: Die meiste Zeit des Lebens wartet man vergebens. Das klingt aufs erste Hören zwar ganz nett und der Reim macht sich auch gut, aber was es damit wirklich auf sich hat, verstehe ich so wirklich erst durch mein Leben in Berlin.

Als das Thema aufkam, dass der Flughafen Tegel geschlossen und der Hauptstadtflughafen in Schönefeld eröffnet werden sollte, trieb mir das kurzerhand die Schweißperlen auf die Stirn. Das würde ja bedeuten, dass ich für einen Städtetrip, der etwa mit einer einstündigen Flugzeit verbunden ist, ab sofort zusätzlich noch eine Anreise von etwa einer Stunde in Kauf nehmen muss – das geht doch mal gar nicht… Aber gut, dieses Problem hat sich inzwischen von allein erledigt. Tegel ist immer noch geöffnet und ich wohne inzwischen in Friedrichshain, wodurch sich die Anreise zum Hauptstadtflughafen zusätzlich erheblich verkürzt. Stress und Horror-Szenarien, die mit der Schließung von Tegel für mich einhergingen, haben sich also in Luft aufgelöst. Auch wenn es mir inzwischen ziemlich egal ist, von wo aus die Flugzeuge abheben, warten nach etlichen Tagen, Wochen, Monaten, Jahren immer noch viele Berliner und Berlin-Besucher darauf, dass dieser blöde Flughafen endlich eröffnet – vergebens.

Für mich gibt es inzwischen ein viel drängenderes Problem. Unser Büro befindet sich im Wedding (nähe Brunnenstraße). Eigentlich eine tolle Lage, weil sehr zentral. Das stimmt auch, aber was uns hier wirklich fehlt, sind nette Restaurants, in die man zur Mittagszeit mal kurz hineinhuschen kann, um sich etwas Leckeres zum Essen zu holen. Da es diese Möglichkeit nicht gibt, vergeht kaum ein Tag, an dem wir uns nicht ins Auto schwingen, um eine der szenigen und leider völlig überlaufenen Läden in Mitte anzusteuern, um dort Futter in uns hineinzuschaufeln, dass nicht nur den Hunger stillt, sondern uns gleichzeitig das Gefühl gibt, dass wir nicht nur Junkfood zu uns nehmen. Soviel zu unserem Ist-Zustand.

Nun zur Warterei. Und dann ganz plötzlich und unerwartet, machte sich Hoffnung breit: Auf unserem Bürogelände rückten schwere Fahrzeuge von Handwerksbetrieben jeglicher Couleur an. Unsere Neugierde war so groß, dass es gar nicht lange dauerte, bis wir in Erfahrung brachten, dass nur zwei Etagen unter uns eine Kantine eröffnen soll. Halleluja!!! Mitte Juni sollte es schon soweit sein – bis dahin waren es nur noch wenige Tage. Unsere Vorfreude steigerte sich mit jedem Tag. Endlich hat die leidige Fahrerei und die täglich wiederkehrenden Diskussionen darum, wo wir unsere Pause verbringen, ein Ende. Die Kantine erschien uns als gleißender Stern am Horizont, der uns eine täglich wechselnde Speisekarte mit lukullischen Hochgenüssen bieten soll. Die neugierigen Blicke ins Innere der „Cantinerie“ verrieten uns, dass die leere Halle immer mehr Gestalt annimmt und mit ihrem mediterran-modernen Flair schon sehr bald zahlreichen hungrigen Mäulern einen schönen Platz für die Mittagspause bieten wird.

Die Zeit verging und der Tag, an dem die „Cantinerie“ eröffnet werden sollte, war endlich da. Etwas skeptisch machte mich dann allerdings doch, dass sich am Stichtag im Inneren so rein gar nichts bewegte. Daran änderte sich auch im weiteren Verlauf des Vormittag nichts und bis heute (13.07.), einen Monat später, hat die Kantine leider immer noch geschlossen. Auf Nachfragen erfuhr ich, dass sich die Berliner Behörden mit Genehmigungen Zeit lassen und sich die Öffnung dementsprechend verzögert. Mitte oder Ende Juli, so genau kann das keiner sagen, soll sie dann endlich ihre Pforten öffnen. Allerdings werden meine Hoffnungen jeden Tag weniger. Ich würde mich freuen, wenn die Warterei nicht vergebens ist und die Kantine nicht erst zeitgleich mit dem Hauptstadtflughafen öffnet.

 

Bildquelle: pixabay

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