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12.11.2015 | | Lifestyle

Wenn der Filter die große Liebe aussortiert

Zwei Pinguine flirten

Tatsächlich fühle ich mich mit meinen 35 Lenzen manchmal uralt. Einer der Punkte, der mich im Moment mal wieder an meiner Jugend zweifeln lässt, ist das Thema Dating beziehungsweise Flirten. Als ich noch auf Partnersuche war, hieß es, dass der Supermarkt das absolute Flirteldorado sein soll. Schließlich könne man ja am Inhalt des Einkaufswagens abchecken, ob man es mit einem Familienvater oder Single zu tun hat. Soweit würde ich dem auch zustimmen, allerdings konnte ich nie den Mut aufbringen, einen Einkaufswagenschieber mit TK-Pizza und anderen Fertigprodukten mit einem lockeren Spruch für mich zu gewinnen.

Dementsprechend suchte ich mir also andere Orte, um die Partnersuche voranzubringen. Überraschenderweise ergab sich selbst auf der A2 Richtung Berlin einmal die Gelegenheit zu einem Flirt. Als er mich dann aber bereits nach einem halbstündigen Gespräch zu einem Dreier überreden wollte, lehnte ich ab. Weiterhin auf Autobahnen nach meinem Traummann zu suchen, erschien mir zu öde und aufgrund des hohen Spritverbrauches ziemlich teuer. Also lenkte ich meine ungeteilte Aufmerksamkeit auf Bars. Insbesondere zu späterer Stunde und mit einigen alkoholischen Kaltgetränken im Blut, sind sie der optimale Ort, um Männer oder Frauen oder was auch immer kennenzulernen. Die sinkende Hemmschwelle in Kombination mit der Enge sorgen dafür, dass es ganz einfach ist, mit den Menschen in der Umgebung ins Gespräch zu kommen. Wenn es passt, ist der nächste Kuss oder vielleicht auch mehr dann gar nicht mehr weit.

Diese Art und Weise scheint aber inzwischen völlig out zu sein. Man geht in Bars, um sich mit seinen Freunden zu besaufen und in Clubs um zu tanzen. Flirten spielt dort keine Rolle mehr. Die sexuelle Frustration soll durch Apps wie Tinder oder Lovoo beseitigt werden. Ist man auf der Suche nach etwas Ernsthaftem, sind Parship und eDarling die Portale der Wahl. Ich weiß, dass viele meiner Freunde darüber tatsächlich ihren Partner oder ihre Partnerin kennengelernt haben. Auf der anderen Seite kenne ich aber auch genauso viele Beziehungen, die über die Online-Partnersuche niiiiiiiiiiieeeeeeemals zustande gekommen wären.

Eine Freundin hat ihren aktuellen Mann – ja sie sind inzwischen verheiratet – während eines längeren Aufenthaltes in New York kennengelernt. In Berlin lebend hätten sowohl Parship als auch eDarling ihr mit Sicherheit niemanden aus den USA vorgeschlagen. Erst recht nicht, weil sie bei ihren Filtereinstellungen darauf geachtet hätte, dass er auf keinen Fall kleiner sein soll, als sie selbst. Eine andere Freundin war immer auf der Suche nach einem Mann und verliebte sich plötzlich Hals über Kopf in eine Frau. Die Beziehung hält seit fünf Jahren und sie planen ebenfalls zu heiraten – irgendwann. Ein befreundetes schwules Paar hätte sich wohl nur anhand von Fotos und Profilangaben auch nicht sonderlich attraktiv gefunden. Der eine wäre dem anderen eigentlich viel zu cool vorgekommen und rein optisch schon mal durchs Beuteraster gefallen. Die gemeinsame Wellenlege und der Spaß, den die beiden miteinander haben, beweisen aber das genaue Gegenteil. Sie teilen seit mehreren Jahren ihr Leben und wollen nicht mehr ohne einander sein.

Das ständige Hin- und Her-Gewische auf dem Display sorgt letztlich wahrscheinlich eher für Frustration als dazu jemanden kennenzulernen, mit dem man eine Beziehung eingehen will. Mit geöffneten Augen durch die Offline-Welt zu gehen, kann da schon einen großen Schritt weiterhelfen und vielleicht trifft man ja dann doch den Partner der Träume im Supermarkt um die Ecke.

 

Bildquelle: pixapay

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