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02.06.2016 | | Lifestyle

Warten auf Godot – Oder: Wie ich an Amazon Logistics verzweifelte

Amazon Logistisch braucht so seine Zeit

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich Amazon sehr häufig nutze. Der Webriese hat einfach immer alles, was ich gerade brauche und liefert es dank Prime-Mitgliedschaft auch schnell und zuverlässig aus. Jedenfalls war das bislang so…

Ich lasse mir die Pakete zumeist ins Büro liefern, da ich tagsüber eh nicht zuhause bin und weder meine Nachbarn überstrapazieren, noch ständig zur Post laufen möchte. Unser Büro befindet sich auf einem ehemaligen AEG-Gelände von riesigen Ausmaßen, das eine unüberschaubare Anzahl von Firmen beherbergt. Ich selbst möchte hier auch keine Pakete ausliefern müssen. Aber dafür gibt es auf unserem Gelände extra eine Poststelle. DHL, Hermes, UPS und dpd wissen das ganz genau und können dort bequem alle Pakete, Päckchen, Briefe & Co. abgeben, ohne jede Firma einzeln aufsuchen zu müssen. Perfekt, oder? War es wie gesagt bislang auch. Doch seitdem Amazon mit „Amazon Logistics“  einen vermeintlich eigenen Transportdienst an den Start gebracht hat, ist alles anders.

Doch bevor ich über meine eigene Odyssee mit Amazon Logistisch berichte, erst einmal ein paar Fakten. Bei AL handelt es sich nicht um einen eigenen Arm von Amazon – vielmehr sind es regionale Dienstleister, die qualitativ gegen Platzhirsche wie DHL & Co. nicht ankommen. Kein Wunder, dass man Im Internet vermehrt von frustrierten Kunden liest, die ihrem Frust über Amazon Logistics Luft machen. Pakete kommen selten pünktlich an (gerade für Prime-Kunden, die für eine schnellere Lieferung zahlen, ein Ärgernis), werden ohne Benachrichtigungskarte ausgeliefert, teilweise muss der Annehmende noch nicht einmal unterschreiben. Aber warum gibt Amazon Aufträge an Dienstleister, die keine zufriedenstellende Qualität erbringen? Es ist zu vermuten, dass die Transporteure für Amazon günstiger sind. Auf jeden Fall hat der Webriese nun ein klasse Druckmittel gegenüber DHL und Konsortien in Sachen Preisgestaltung. Und wer leidet darunter? Der Kunde – also du und ich…

Mein „Erlebnis“ mit Amazon Logisitcs

Bislang kam keine meiner Bestellungen, die über AL ausgeliefert werden sollte, pünktlich an. Aus diesem Grund habe ich schon immer Angst vor der Versand-E-Mail, die ich früher immer sehnsüchtig erwartet habe. Steht nun als Transportdienstleister AL in der Mail, weiß ich schon, dass mir nerviger Ärger bevorsteht. Lustig ist es, wenn ich etwas am Ende der Woche bestelle, denn AL versucht trotz Firmenanschrift stets am Samstag auszuliefern. Auch mehrmalige Hinweise an Amazon, dass am Samstag hier niemand anzutreffen ist, hindern nicht daran, es jedes Mal aufs Neue vergeblich zu versuchen.

Auch mein Hinweis, dass der Kurier eigentlich nur am Eingang des Firmengeländes links am Pförtnerhäuschen nach dem Weg zur Poststelle fragen muss, wird einfach missachtet. Und gestern war es mal wieder soweit. Ich hatte am Donnerstag bestellt, als Lieferdatum war der Freitag angegeben. Als ich in der E-Mail sah, dass Amazon Logistics sich mein Paket geschnappt hat, war meine Laune schon wieder im Keller. Freitag kam natürlich nichts, aber am Samstag wurde zuverlässig wieder versucht auszuliefern. Ups, überraschenderweise war wieder niemand im Büro. Lieferung konnte nicht zugestellt werden. Am Montag also der nächste Versuch. Im Gegensatz zu DHL & Co. die es immer innerhalb der Öffnungszeiten unserer Poststelle schaffen, die ebenfalls schon häufiger an Amazon kommuniziert wurden, weiß ich, dass AL immer erst frühestens ab 16 Uhr kommt. Und so kam, was kommen musste: Der Transportdienstleister kann die Adresse nicht ausfindig machen. Also rief ich direkt bei Amazon an und erklärte wieder, dass sie dem Kurier bitte mitteilen sollen, er soll am Geländeeingang einfach beim Pförtner nach der Poststelle fragen und der kann ihm den Weg dahin erklären. Bei den vielen Unternehmen hier auf dem Gelände, von denen sicher viele mal was bei Amazon bestellen wirklich fragwürdig, wie lange AL braucht, die wunderbare Erfindung der Poststelle auf dem Gelände zu entdecken. Am nächsten Tag hat es wohl wieder erst nach 17 Uhr geklappt und mein Paket wurde nun „an einen Nachbarn Prgan auf Tür 44 ausgeliefert“… Wie bitte? Die Poststelle befindet sich in unserem Gebäude auf der ersten Etage; war der Kurier also zu spät und hat die Lieferung in Raum 1.44 abgegeben?  Dort ist leider kein Büro. Oder hat er uns direkt versucht zu finden (auf der zweiten Etage) und hat es in Raum 2.44 abgegeben? Dort ist leider auch kein Büro. Im Erdgeschoss gibt es keinen Raum 44. Ein Hinweis auf die Firma wäre also hilfreich gewesen. Auf dem gesamten Gelände befinden sich mindestens zwölf Gebäude. Ich verbringe also die Mittagspause im strömenden Regen damit, mich auf die Suche nach meinem Paket zu machen.

Nirgends ist die 44 beziehungsweise eine Person „Prgan“ zu finden. Auch der Pförtner kann mir nicht weiterhelfen. Also wieder bei Amazon anrufen… Der nette Kollege versucht zu ermitteln. Er sagt mir schließlich, dass sich der Transporteur bei mir melden wird, um mir zu sagen, wo genau er mein Paket abgegeben hat. Sollte er sich in drei Tagen nicht melden, soll ich mich wieder mit Amazon in Verbindung setzen und sie veranlassen dann eine kostenlose Ersatzlieferung. Also erstmal abwarten.

Finally…

Auch einen Tag später habe ich noch keinen Anruf erhalten. Beim alltäglichen Besuch an der Poststelle befindet sich dann allerdings trotzdem mein Paket in der Poststelle – mit einem riesigen Aufkleber „Grosses Betriebsgelaende – bitte vorne beim Pfoertner die Poststelle erfragen und das Paket dort abgeben“. Aber woher kommt es nun? Anscheinend muss der ominöse Herr Prgan von Tür 44 mein Paket einfach selbst bei der Poststelle abgegeben haben – Danke!… Nun ist meine Odyssee vorbei. Aber ich muss heute schon wieder ein Buch bestellen. Zum Glück gibt es das gebraucht recht günstig über den Marketplace – und wird nicht von Amazon versendet.

Quelle Teaserbild: pixabay.com; Mariposa.

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