... ... ...
16.07.2017 | | Lifestyle

Wahr oder unwahr? Alltagsmythen auf der Spur – Von vollen Bäuchen, Schielen und Marienkäferpunkten

Alltagsmythen auf die Probe gestellt

Welches Kind musste sich früher nicht anhören, dass die Augen beim Schielen irgendwann für immer so stehen bleiben würden? Klang auch ganz einleuchtend, schließlich gab es genügend Leute, die schielten und irgendwoher musste das ja kommen – dachte man sich als Kind. Viele haben bis heute Muffe davor, länger als drei Sekunden lang zu schielen.

Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte ist allerdings fragwürdig. Zeit für uns, einmal genau nachzurecherchieren.

Wenn Du schielst, bleiben deine Augen irgendwann so stehen

Wie jeder Augenarzt weiß, ist an diesem Satz überhaupt nichts dran. Das Schielen beweist lediglich, dass man besonders viel Kontrolle über seine Augen hat. Ich persönlich würde mein Schicksal allerdings nicht herausfordern…

Wer also weiterhin vermeiden will, dass seine Kinder wie die Idioten aussehen und sich in der Öffentlichkeit daneben benehmen und mit schielenden Augen alle Restaurantgäste nerven, sollte ruhig obigen Satz nutzen, um ihnen gehörige Angst einzujagen.

Die Punkte eines Marienkäfers verraten sein Alter

Als Kind habe ich mich immer gefreut, wenn ich beim Erblicken eines Marienkäfers auch gleich sein Alter wusste. Man musste ja schließlich nur die Punkte zusammenzählen. Allerdings ist es bei den possierlichen Käfern nicht so wie bei einem Baum, dessen Alter man tatsächlich an den Jahresringen erkennen kann. Die Anzahl der Punkte hängt lediglich mit der Marienkäferart zusammen.

Je mehr man rasiert, umso stärker wachsen die Haare nach

Jeder von uns weiß, dass häufiges Rasieren die Haare schneller und stärker nachwachsen lässt. Doch stimmt das überhaupt? Eigentlich müsste man dann davon ausgehen, dass Frauen, die seit Jahren ihre Beine rasieren, regelrechte Borsten aus den Waden wachsen müssten. Und Männer müssten nur häufiger ihr schütteres Haar auf dem Haupt rasieren, um wieder zu opulenter Fülle auf dem Kopf zu kommen. Da dies nicht so ist, wäre es doch logisch, dass diese Binsenweisheit generell ein Gerücht ist. Aber woher kommt das? Ganz einfach. Ein Haar ist unten dick und wird nach oben hin dünner. Schneidet man es an der Basis ab, fühlt sich das abgetrennte Ende dicker und stoppeliger an. Einen wirklichen Einfluss auf die Haarstruktur hat das Rasieren allerdings nicht.

Spinat darf nicht wieder aufgewärmt werden

Bereits früher wussten unsere Eltern: Wer Spinat erneut erwärmt, wird mit üblem Erbrechen zu tun bekommen. Doch das ist nicht so ganz richtig. Zwar wird beim Aufwärmen im Spinat enthaltenes Nitrat in Nitrit umgewandelt, das zu gesundheitlichen Problemen führen kann, allerdings erst ab einer gewissen Menge und Häufigkeit. Wer also ab und an eine Spinatmahlzeit aufwärmt, hat keine ernsthaften Probleme zu befürchten – guten Appetit.

Mit vollem Bauch sollte man nicht schwimmen gehen.

Früher wurde uns immer gesagt, dass man sich vor dem Sprung ins Wasser nicht die Plautze vollgehauen haben sollte. Einleuchtende Erklärung: Der Druck des Wassers drückt das Essen nach oben und kann zu Erbrechen führen, wobei man Wasser einatmen könnte und ertrinkt. Wie auch beim Schielen sind unsere Eltern allerdings nur auf den damaligen Stand der Wissenschaft hereingefallen. Der Schließmuskel des Magens funktioniert auch im Wasser und man muss keine Sorge vor Erbrechen haben.

Verschluckter Kaugummi verklebt den Magen

Auch dieser Mythos ist Unsinn. Zwar sind Kaugummis unverdaulich, doch auch Unverdauliches verlässt den Magen wie gewohnt und landet in der Kloschüssel.

Wer mit nassen Haaren rausgeht, der erkältet sich

Stimmt ebenso wenig, wie dass man sich eine Erkältung einfängt, wenn man zu leicht bekleidet bei kühlen Temperaturen draußen ist. Schnupfen oder eine Erkältung wird nicht durch Kälte, sondern durch Viren verursacht. Was allerdings stimmt: Wenn wir frieren, ist unser Immunsystem anfälliger für Keime, Viren & Co. Sich bei Kälte warm anzuziehen ist also immer richtig.

Hochziehen ist schädlich

Eher ist es eklig. Beim Schnäuzen ist der Druck in den Nasennebenhöhlen allerdings zehnmal höher und Viren werden in die Stirnhöhle gepresst. In der Öffentlichkeit sollte man aber dennoch aufs Naseputzen setzen.

Schummerlicht sorgt für schlechte Augen

Wer von uns hat nicht früher mit der Taschenlampe unter der Decke gelesen und wurde dabei erwischt? Immer wieder musste man sich den Satz „Du verdirbst dir die Augen!“ anhören. Jetzt wissen wir: alles Quatsch. Denn das Auge erkennt Helligkeitsunterschiede wahnsinnig schnell und passt sich diesen an, indem es bei Schimmerlicht die Pupille erweitert. Es kann also nicht zu bleibenden Schäden kommen, Kopfschmerzen sind allerdings nicht selten, da man sich bei schlechtem Licht mehr konzentrieren muss.

Mit Zahnpasta gegen Pickel

Hatte man früher zu Teeniezeiten einen Pickel, wusste Mama gleich Rat: Einfach über Nacht Zahnpasta drauf und morgen ist nichts mehr von ihm zu sehen. Nicht selten ist man am nächsten Tag allerdings mit wahren Kratern aufgewacht. Schuld daran ist das Fluor, das unseren Zahnschmelz zwar widerstandsfähiger macht, allerdings Entzündungen unterstützt. Auch das Menthol, das in sehr vielen Zahncremes vorkommt, ist eher reizend für die Haut.

Betrachtet man sich den Wahrheitsgehalt vieler Alltagsmythen, so kann man viele sicher als Horrorgeschichten abstempeln. Zumindest einige haben allerdings den positiven Nebeneffekt, dass wir nicht schielend und hochziehend durch die Gegend laufen.

Quelle Teaserbild: pixabay.com. Copyright: Pezibaer.

... ...