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28.07.2015 | | Lifestyle

Vergewaltigungsvorwürfe gegen Bill Cosby: Zwischen kindlichem Unglauben und bitterer Realität

Als Kind gab es für mich kaum etwas Großartigeres als die „Bill Cosby Show“. Wie gerne habe ich die Geschichten aus dem Hause Huxtable auch in der x-ten Wiederholung geschaut und welche wohligen Schauer bekam ich bereits während die Titelmelodie lief. Bill Cosby war in seiner Rolle als Heathcliff ein liebevoller Vater, charmanter Ehemann und lustiger Charakter. Den Mensch hinter der Rolle stellte man sich wie bei kaum einer anderen Sendung komplett deckungsgleich vor. Die „Bill Cosby Show“ lief erstmalig von 1989 bis 1992 in Deutschland und brachte dem Komiker hierzulande viele Fans ein. Und fast jedes Kind schwärmt noch heute von dieser einmaligen Serie, die eine ganze Generation geprägt hat. Niemand, der keine Erinnerungen an diese Serie hat und dabei ins kindliche Schwärmen gerät.

Darum verstörte es umso mehr, als vor einiger Zeit herauskam, Cosby solle mehrere Frauen sexuell belästigt oder gar vergewaltigt haben. Bereits 2000 wurde er wegen sexueller Belästigung angeklagt, 2004 soll er eine Frau erst betäubt und dann vergewaltigt haben. 13 weitere Frauen meldeten sich und erhoben ähnliche Vorwürfe. Eine außergerichtliche Einigung beendete das Verfahren. Soweit ich weiß, war dieses Thema in Deutschland damals nicht sehr groß. Darum überraschte es umso mehr, dass es vor einigen Monaten mit voller Wucht auch hierzulande publik wurde. Gestern machte nun das New York Magazine mit einer Titelgeschichte über die Vergewaltigungsvorwürfe gegenüber Cosby auf. 35 Frauen erheben darin Vorwürfe gegen den Comedy-Star.

Ohne sich in Vorverurteilungen zu ergehen, sieht alles danach aus, als ob Cosby doch nicht der lustige Saubermann ist, für den man ihn jahrelang gehalten hat.

Als ich vor einigen Monaten zum ersten Mal von den Vergewaltigungsvorwürfen las, tat ich die Sache sofort als Unsinn ab – so groß war mein Vertrauen in Cliff Huxtable. Natürlich lässt es einen nicht in Ruhe, dass ein Held aus Kindheitstage Menschen bewusst so Schreckliches angetan haben soll und man beginnt zu recherchieren. Je mehr man liest, umso mehr schwant einem, dass an den Vorwürfen doch etwas dran sein kann. Spätestens mit dem Bericht in dem renommierten New York Magazine kann man sich der vermeintlichen Wahrheit nicht mehr verschließen. Cosby scheint ein wahres Monster zu sein – gar nicht auszudenken, wie vielen Frauen er noch Schaden zugefügt haben mag, die sich (bislang noch) nicht zu Wort gemeldet haben.

Darüber hinaus hinterlässt er dem Kind in uns allen ein bitteres Gefühl des Verrats: Cosby ist eben nicht der nette Heathcliff Huxtable, für den wir ihn immer gehalten haben, sondern eben Cosby, der mutmaßliche Serienvergewaltiger. Zurück bleibt eine tiefe, kindliche Enttäuschung.

 

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