... ... ...
06.10.2014 | | Lifestyle

Vergeben oder verkorkst!

Was ist bloß in der Hauptstadt los? Massenweise Männer und nichts Brauchbares dabei! War das schon immer so oder entwickelt sich hier gerade ein neuer Trend? 

All den Single-Ladies, die schon mal Gast einer Home-Party waren, ist folgende Situation bestimmt bekannt: Du sitzt ganz entspannt mit ein paar Leuten beisammen – billiger Wein, super Stimmung. Ein attraktiver Typ schaut rüber und nutzt eine günstige Gelegenheit um ins Gespräch zu kommen. Toll, denkste dir – dat läuft! Ein charmantes Gespräch, du greifst ganz tief in die Trickkiste deines Flirt-Equipments und er hängt gebannt an deinen Lippen. Bisher alles richtig gemacht!

Doch plötzlich sagt er ganz nebenbei, „Ja, meine Freundin und ich waren auch mal in Italien.“ Wie bitte?! Freundin? Das gibt’s doch nicht. Eine volle halbe Stunde mit Extreme-Flirting verbracht, bei dem selbst Barney Stinson vor Neid erblasst wäre, und nun die ernüchternde Erkenntnis: absolute Zeitverschwendung. Doch ist das noch nicht alles. Die Begleitung des Ich-check-mal-eben-ob-ich’s-noch-drauf-hab-Typen hat dich nach der dreisten Aktion, die du ihrer Meinung nach von langer Hand geplant hast, zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt. Neben deiner Wut darfst du dich jetzt auch noch mit den giftigen Blicken der Freundin rumschlagen. Da hilft nur noch Alkohol – und zwar eine Menge.

Folge: schwerer Kater, leichte Übelkeit und wenig Bock auf weitere ähnlich erquickende Begegnungen.

Andere Situation: Du hast ein Date. Hey, wow, gratuliere! Denn in Berlin ist das alleine für den ein oder anderen schon ein kleines Wunder. Und ganz großes Kino: Du hast den Mann tatsächlich in der realen Welt kennengelernt, ohne Hilfe von lovoo, tinder, friendscout oder den anderen üblichen Verdächtigen. Respect! Mit einer Mischung aus Vorfreude, Nervosität und dem Wunsch, das Ganze kurzfristig abzublasen, stellst du in penibler Detailarbeit ein Outfit zusammen. Sexy, aber nicht billig; lässig, aber nicht zu cool; schick, aber nicht zu elegant – wir wollen ja nicht einschüchtern.

Am vereinbarten Treffpunkt angekommen, pünktlich – wieso auch nicht, ist doch eine tolle Eigenschaft die Pünktlichkeit. Leider gehört er hingegen zu den Verplanern und taucht erst zehn Minuten später auf. Schon leicht verärgert, was man dir natürlich nicht ansieht, kommt das Gespräch langsam in Gang. Vor lauter Aufregung bemerkst du erst jetzt seine spitzen Schuhe in Krokoleder-Optik und die völlig übertriebene Haargel-Konstruktion seiner Beton-Friese.

Nun gut, wollen wir mal nicht so sein, immerhin traut er sich was und lässt sich nicht von der Meinung der Masse beeinflussen, die diesen Stil schon in den 90ern als „out“ erklärt hat. Noch hast du Hoffnung, denn die stirbt ja bekanntlich zuletzt. Er erzählt von seinem Job und will damit beeindrucken. Als er zum dritten mal erläutert, wie viel Geld er macht und was er sich so alles leisten kann, musst du ein Gähnen unterdrücken. Mit einer rhetorischen 1-A-Überleitung fragst du ihn, wie er sein Very-Busy-Berufsleben in der Vergangenheit mit einer Beziehung unter einen Hut gebracht hat. Er erwidert, dass seine (letzte und einzige) Ex-Freundin damit sehr gut umgehen konnte und ihm den gewünschten Freiraum ließ. Nach sage und schreibe elf Monaten wurde diese unglaublich innige Partnerschaft aufgrund unüberbrückbarer Differenzen aufgelöst, weshalb er jetzt etwas Neues suche.

Joa, denkste dir, beschließt kurzerhand ihm auch etwas Freiraum zu geben und fliehst auf die Toilette der Bar, in der ihr euch mittlerweile seit gut einer Stunde befindet. Genervt, weil du dich für so eine Nummer hübsch gemacht hast und gelangweilt von den Eigenlob-Geschichten deines Dates, ist es Zeit für den Klassiker. Du verschickst eine Nachricht und 15 Minuten später ereilt dich ein dringender Anruf, wobei deine beste Freundin dir hektisch und laut, irgendwas sinnloses ins Ohr schreit – ein Notfall sagst du ihm, legst Geld auf den Tisch (man will ihm ja nichts schuldig sein), entschuldigst dich und verschwindest.

Folge: Ärger, für sowas auch noch Geld ausgegeben zu haben, vorübergehende Wolkenfront am Himmel der Hoffnung und die immer wiederkehrende Erkenntnis, dass die beste Freundin einfach unersetzbar ist.

 

... ...