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15.08.2014 | | Kultur

Und es geht ab, ab, ab!

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Noch bis zum 17. August kann man in der Berliner Heidestraße unweit des Hauptbahnhofes das Deutsch-Amerikanische Volksfest erleben. Als Zeichen der Völkerverständigung will sich dieses bunte Getümmel verstehen – aha.

Wo die Flaggen wehen – und sonst nichts

Man erwartet nun also ein Potpourri an amerikanischen Klischees und dem typischen Fast Food. Klar, die gibt es zwar auch in Form von Hamburger- und Hot-Dog-Ständen und einer riesigen Fotokulisse, die die Golden Gate Bridge zeigt und vor der man sich gemeinsam mit Cheerleaderinnen und einem in Stars and Stripes gewandeten Typen ablichten lassen kann – das war es dann aber auch mit dem Flair des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten. Abgesehen von den fett machenden Köstlichkeiten und der billigen Fotowand erinnert nur wenig an Uncle Sam & Co. Vielmehr ist es ein – zwar großer, aber schlichter – Rummel; Riesenrad, Autoscooter, Wilde Maus und Geisterbahn inklusive. Die hauptsächliche Klientel, die von einem solchen „Event“ angelockt wird, dürfte wahrscheinlich noch nicht einmal wissen, dass Berlin einmal geteilt war und die Völkerfreundschaft nach dem Krieg so innig beschworen wurde, auf dass es zwischen uns nie wieder zu einem so verheerenden Streit kommen darf. Vielmehr wundern sie sich vielleicht darüber, dass auf dem Gelände so viele USA-Flaggen wehen, die aber bloß den leidlichen Versuch darstellen, wenigstens ein bisschen dem aufgedrückten Motto gerecht zu werden. Ersetzt man die Fähnchen durch Einhörner und die Fotowand durch ein Prinzessinnenschloss, könnte man es auch Deutsch-Fantasia-Volksfest nennen. Es ist schlicht und einfach der Versuch, in Ermangelung an Ideen und Kreativität ein „cooles“ Event im Rahmen der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft zu starten, das nichts anderes ist, als ein schnöder, billiger Jahrmarkt der Peinlichkeiten. Zumindest Ronny und Mandy dürfte es freuen, die endlich mal wieder aus ihrer Platte in Marzahn herauskommen und nach Mitte pilgern, um Autoscooter zu fahren oder sich an der Losbude ein neues Riesenplüschtier von ihrem schwer verdienten Hartz IV zulegen zu können. Bei den Rummelpreisen sind zwei Monatsgehälter schnell aufgebraucht.

Die Franzosen können es – auch nicht

Auch das Deutsch-Französische Volksfest, das „leider“ schon seit kurzer Zeit vorbei ist, hat nicht wirklich überzeugt. Man muss ihm allerdings zugute halten, dass neben Fahrattraktionen wie dem High-Speed-Looping-Karussell Eclipse, der Wildwasserbahn Poseidon und dem obligatorischen Riesenrad doch wenigstens noch ein Hauch von französischem Flair aufkommt. In einem „Französischen Dorf“, das zwar irgendwie eher an ein niederländisches erinnert, werden Muscheln, Schnecken und Froschschenkel dargeboten. Landestypische Köstlichkeiten wie Champagner, Wein, Käse und Likörchen täuschen ebenso wie der Miniaturnachbau des Eiffeltums ein bisschen über den Rummelcharakter hinweg. Schön geht allerdings auch anders. Wer denkt bei „Deutschland“, „Frankreich“ und „Freundschaft“ schon als erstes an einen Jahrmarkt?

Alles auf Anfang

Liebe Stadt-Eventplaner! Bitte setzt Euch doch mal eine Sekunde hin und überlegt, was ihr da seit Jahren anstellt. Es gibt sicherlich ebenso attraktive Möglichkeiten, die deutsch-amerikanische oder deutsch-französische Freundschaft auf die Art zu zelebrieren, die diesen wichtigen Angelegenheiten wenigstens ein bisschen entspricht. So wie es jetzt ist, könnte man auch einfach in die Spree drei Eimer Farbe – weiß, blau und rot – zum Wohlgefallen der Völkerverständigung schütten. Ein billiges Allerwelts-Volksfest könnt ihr ja abfeiern. Aber bitte nicht unter dem Mantel der Völkerfreundschaft.

Bildquelle: pixabay.com

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