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23.06.2016 | | Lifestyle

TV: Tussis und Dumpfbacken auf der Suche nach dem Ruhm

„Berühmt werden“ ist einer der Traumberufe all jener, die nichts können, aber an übersteigertem Selbstbewusstsein kranken. Gepaart mit ihrer unstillbaren Gier nach Aufmerksamkeit zieht es billige Zu-viel-von-allem-Tussis und ihre männlichen begürteltaschten Proll-Gegenstücke, deren IQ selten die 100er-Marke überschreitet, ins TV –  neben dem Ausfüllen ihres Hartz-4-Antrages haben sie ja auch nichts zu tun. Und ohnehin fühlen sie sich zu etwas Höherem berufen, als wie alle anderen zu arbeiten. Eine TV-Karriere ist ihren Spatzenhirnen zufolge nur logisch. Und damit sind sie nicht alleine: Beim frühnachmittäglichen „Reality“-Format-Glotzen sagen schließlich die unqualifizierten Freunde: „Schantalle, das könnteste auch, du bist doch so ‚ne Hübsche, Schnegge!“. Und das TV hat natürlich schon längst gemerkt, dass Proll-Uschis und Pumper-Heinis für sie die perfekte Zielgruppe sind: Dank ihres gesteigerten Aufmerksamkeitsdrangs folgen sie nur zu gern Castingaufrufen und locken noch mehr von ihrer Brut vor den Fernseher, die nur zu gern sieht, wie ihresgleichen es geschafft hat, um sich dann selbst die Nummer der „Bewirb dich jetzt“-Nummern anzurufen. Ein perfekter Kreislauf!

Dumm stellen wird belohnt!

Angefangen hat alles mit „Deutschland sucht den Superstar“. Den Teenies wurde weißgemacht, sie könnten Karriere via Castingsendung machen. Doch gerade in den ersten Folgen stehen vor allem Totalausfälle, Dummchen und auffällige Typen im Fokus. Da die Quote stimmt, werden sie auch ohne Talent in die nächste Runde gemogelt. Gleiches gilt auch für „Germanys Next Topmodel“: Wer nicht mit einem reizenden Antlitz glänzen kann, der muss zicken und unterhalten. Genau darauf haben Proll-Chantal und Brutzel-Kevin gewartet. Sie können jetzt auch ohne jedwedes Talent berühmt werden. Da simmer dabei… Zum Glück müssen sich die zwei nicht allzu sehr anstrengen sich dumm zu geben.

„Princess – Hilfe, ich bin shoppingsüchtig!“

Dass die „TV-Sternchen“ alles machen würden, um nur irgendwie in die Medien zu kommen, macht sich RTL II zunutze. Für das Format „Princess – Hilfe, ich bin shoppingsüchtig!“ würde sich kein normaler Mensch freiwillig als Kandidat bewerben. Schantalle hingegen sieht ihre Chance, sich als „Luxusweibchen“ zu gerieren – statt Versace trägt sie natürlich Primark und die Vouis-Litton-Tasche braucht keine Erwähnung. Hier spielt das Prekariat „Prinzessin“ und freut sich darüber, dass es sich für die abscheulichsten Billigklamotten bereits am zweiten des Monats in den  Dispo katapultiert hat. Aber egal, das zieht, das bringt Quote: Weiß auch Schantalle und spielt das Spielchen mit. Berstende Schränke, deren Inhalt trotzdem nicht mehr Wert sein dürfte als 200 Euro, werden als „Schatz“ präsentiert. Das unterschwellig mitklingende Lebensmotto „Du bist was du trägst“ macht auf traurige Weise bewusst, dass die Akteurinnen leider innerlich so wenig zu bieten haben, dass der Schrankinhalt darüber hinwegtäuschen und Intellekt, Charme und Charakter ersetzen muss.

Weder sind die „Darstellerinnen“ shoppingsüchtig, noch sind sie Prinzessinnen. Sie wollen den Zuschauer lediglich glauben machen, in ihrem armen Leben zwischen Orsay-Plunder, p2-Make-up und Plastik-Extensions gehe es um Luxus. Doch sie haben es eher mit Primark als mit dem KaDeWe zu tun. Dennoch wird es genug junge Zuschauerinnen geben, die diesen Unterschied zwischen Quantität und Qualität nicht kennen und die Protagonisten als Luxusluder (von ihnen absolut positiv konnotiert) beklatschen. Wer sich dabei besonders dumm, dreist, zickig oder nervig geriert, bekommt am meisten Aufmerksamkeit. Das führt bestenfalls zu einer Teilnahme bei weiteren TV-Fromaten, in denen man an seinem „Image“ feilen kann. Ziel ist letztlich das Dschungelcamp: Wer hier als Sternchen reingeht, kommt als gemachte Frau wieder heraus. Danach darf man als DJane durch unbekannte deutsche Großraumdissen tingeln oder auf Mallorca auftreten – natürlich immer vom TV begleitet.

Zwar noch immer kein Luxusleben, aber es ist geschafft: Man ist berühmt – zwar ohne Grund, aber egal…

 

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