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24.02.2016 | | Lifestyle

Totalausfälle auf dem Shoppingkanal

Es ist wie verhext. Draußen regnet es, von den Freunden hat auch niemand Zeit und nun gibt selbst das TV-Programm nichts mehr her. Die Lage ist so schlimm, dass man sich sogar schon durch die Dritten Programme, Sportkanäle bis zu Phoenix durchgezappt hat. Und nun wird es noch ärger, denn es folgen – die Shoppingsender. Diese hat man wohlweislich ans Ende der Senderliste verbannt, aber an einem Abend wie diesem ist man gezwungen, sogar hier durchzuschalten. Wenn man denn könnte. Denn mit den Shoppingkanälen ist es wie mit einem Unfall. Man kann einfach nicht wegschauen und wird zwangsläufig zu Gaffer.

Beim Shoppingkanal scheint einfach alles nicht zu stimmen, vom Moderator über die Produkte bis hin zum Zuschauer. Und dennoch üben sie eine widerliche Faszination aus, die uns über uns selbst erschaudern lässt.

Fangen wir bei den Moderatoren an…

Die zwanghaft BLEN-DEND gelaunten Moderatoren erschrecken mit ihrer unnatürlichen Art und scheinen wie von einem anderen Planeten. Aufgrund des vielen Makeups, der mittlerweile völlig unmodernen French Nails und den tantigen Föhnfrisuren wirken sie noch dazu komplett aus der Zeit gefallen. Man weiß nicht, ob sie entweder völlig auf Droge sind und wirklich glauben, dass die Produkte, die sie bewerben, tatsächlich so gut sind, wie sie tun. Zweite Möglichkeit ist, dass die Moderatoren von den Produzenten als Geiseln im  „Aufnahmestudio“, in dem ansonsten auch zweitklassige Pronos gedreht werden, eingekerkert wurden. Oder sie sind so kaltschäuzig, dass sie voller Süffisanz die Produkte verkaufen und sich danach mit den Kollegen auf die Schenkel klopfen und über die verblödeten Idioten schlapp lachen, die diesen Mist wirklich kaufen.

und kommen dann zu den Produkten…

Im Shoppingkanal werden die perfidesten Produkte der Welt verkauft – und gekauft. Alle Produkte fallen zumindest in eine dieser Kategorien – wenn nicht sogar in alle gleichzeitig.

Sinnbefreit: Wer wollte nicht schon immer mal ein Fisch-Mal-Set haben? Oder eine Kate-und-William-Gedächtnismünze (Achtung, leider schon ausverkauft)? Oder den Mini-Guglhupf-Maker?

Schrott: Bei den meisten Produkten sieht man bereits vom Sofa aus die miese Verarbeitung. Unvorstellbar, wenn der Plunder dann wirklich vor einem liegt und bei der ersten Berührung in seine Bestandteile zerfällt.

Überteuert: „Und das zu dem Preis!!!“ keifen einem alle zwei Minuten die hektischen Moderationszombies auf Crack zu. Bei den No-Name-Marken, die häufig angepriesen werden, die es nicht auf den regulären Markt schaffen und so nur das Teleshopping als letzten Anker sehen, ihren Ramsch zu verkaufen, wundert man sich dann doch über den Preis. Und wenn dem Zuschauer dann noch weißgemacht wird, dass das lumpige Zeug vorher sogar das Dreifache gekostet haben soll, kommt einem das dann doch komisch vor. Aber nein, die Shoppingkanäle bieten die angeblich hochwertigen Produkte aus Liebe zu ihren Zuschauern so günstig an und verzichten komplett auf Gewinn – die Guten.

und betrachten letztlich die Zuschauer.

Das Absurdeste an Shoppingkanälen ist allerdings, dass sie sich nun schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten im Programm halten. Das geht nur, indem viele Menschen dem kruden Gehampel rund um die zu goldenen Lämmern stilisierten, sinnbefreiten Produkte zuschauen – und letztlich die Produkte kaufen. Man kann sich nur vorstellen, dass es sich um verwitwete Rentnerinnen oder frustrierte Frauen mittleren Alters handelt, die im Shopping eine Ersatzbefriedigung finden und die die Moderatoren in Ermangelung sozialer Kontakte in ihrem 2.000-Einwohner-Dorf als einzige Freunde ansehen müssen. Doch allein diese armen Seelen können die Shoppingsender nicht finanzieren. Es muss also wirklich Hirnamputierte dort draußen geben, die wirklich auf den Mist stehen…

Eine grauenhafte Vorstellung. Da schalte ich doch lieber wieder zu Phoenix zurück…

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