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01.06.2015 | | Lifestyle

Smartphone kills the Social Life

Wir Menschen des 21. Jahrhunderts rühmen uns als sozialste Vertreter unserer Gattung. Dank des Internets können wir jederzeit in Echtzeit mit Freunden und Unbekannten von überall auf der Welt kommunizieren. Seitdem es das Smartphone gibt, ist die Möglichkeit dazu sogar noch größer. Doch sind wir wirklich so vernetzt und sozial, wie wir denken?

Das Smartphone als Flirtverhinderer

Von zehn Fahrgästen in den öffentlichen Verkehrsmitteln starren acht auf ihr Smartphone. Wartet man in einem Restaurant alleine auf seine Begleitung wird sofort das Handy gezückt. Selbst wenn man im Club auf die Freundin wartet, die gerade auf die Toilette geht, schaut man beschämt auf das Display um bloß geschäftig auszusehen. Kurze WhatsApp-Nachrichten an seine Freunde werden hier weniger dazu genutzt, um sich mit ihnen auszutauschen, als vielmehr um sich die Zeit zu vertreiben. Wie „social“ sind wir also wirklich?

Der Mensch ist im Grunde genommen mit einem Rudeltier vergleichbar: In Situationen, in denen wir allein unter Fremden sind, fühlen wir uns unsicher und angreifbarer als im Kreise der Unsrigen. Schließlich ist das einzelne Tier in der freien Wildbahn leichte Beute. Daher rührt wohl auch das dumpfe Gefühl, wenn man im Restaurant allein auf seine Freunde wartet. Wie praktisch ist doch in solchen Situationen das Smartphone, mit dem wir anderen Gästen signalisieren können: „Ich habe Freunde!“ – wie die Dame am rechten Bildrand (siehe oben).

Das Starren auf das Smartphone hat allerdings noch einen zusätzlichen – negativen – Effekt: Zufällige Bekanntschaften und Gespräche sind wesentlich seltener geworden. Vertieft man sich in sein Smartphone, kapselt man sich von seiner Umgebung ab. Das Handy wird mehr oder minder bewusst genutzt, um eine digitale Barriere um sich herum aufzubauen – und das immer häufiger und immer stärker. Man fragt sich, wie wir Menschen in der westlichen Welt so noch zueinander finden sollen. Ein Flirt in der U-Bahn oder an anderen öffentlichen Orten ist anscheinend nur noch möglich, wenn der Akku leer ist – und der des Gegenübers zufällig auch.

Wer sucht schon per Flirt-App die große Liebe?

Da scheint es fast, als seien die Flirt-Apps, die uns seit ein paar Jahren die Chance auf die große Liebe schmackhaft machen, die letzte Möglichkeit. Und ja, bei unserer Fixierung auf das Display und die Abkapselung von der realen Welt, klingt das logisch. Die Chance, zufällig per Flirt-App unbewusst mit dem hübschen Sitznachbarn zu chatten, ist rein rechnerisch meist höher, als dass man diesen bewusst sieht und anspricht. Die große Liebe sucht hier allerdings fast niemand, sondern eher den schnellen Sex. So bringen sie uns auch noch dazu, uns im Sinne ihrer Logik darzustellen: Als hübsches, begehrenswertes Äußeres. Kein, Wunder, dass mehr als ein Techtelmechtel dabei in den seltensten Fällen herauskommt. Sozial-Faktor: 4 von 10.

Wo ist es also, das vielbeschworene „Soziale“?

Ja, das Internet ermöglicht es uns, Kontakte zu weit verstreuten Freunden zu halten und recht „unkompliziert“ neue Menschen kennenzulernen. Dank Smartphone ist dies sogar überall und jederzeit möglich. Dennoch ist es fraglich, ob dies als Mittel zum Zweck werden sollte, um sich aus ungemütlichen Situationen zurückzuziehen und sich gegenüber anderen abzuschotten. Mit „sozial“ hat dies nämlich nichts zu tun.

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