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25.01.2016 | | Digital

Smarte Abhängigkeit

Handyverbot, Smartphone

Bei der allmorgendlichen Bahnfahrt ins Büro ist mir heute einmal mehr aufgefallen, dass mindestens  die Hälfte aller Mitfahrer mit ihrem Smartphone beschäftigt war. Neben mir wurde Candy Crash gespielt, mir gegenüber saßen zwei Schülerinnen, die Musik hörten, an der Tür wurden fix Nachrichten versendet und zu meiner rechten Seite wurde Spiegel Online gelesen. Und ja, auch ich habe Musik mit meinem Smartphone gehört.

Dies soll jetzt kein nörgeliger Text darüber werden, dass wir Menschen durch unsere ständige Handynutzung immer mehr den Kontakt zueinander verlieren. Von derlei Texten gibt es nun wirklich schon genug. Mir ist beim Anblick der Displaystarrer eine ganz andere Frage gekommen, die ich hauptsächlich auch an mich stelle: Würde ich eine Woche ohne mein Handy überleben?

Diese Frage ist natürlich völlig übertrieben. Ich bin mir sicher, dass es nicht meinen Tod bedeuten würde, wenn ich eine Woche lang mein Telefon nicht benutzte. Dennoch muss ich sagen, dass es meinen Alltag ziemlich verkomplizieren würde.

Wo bin ich?

Dass ich einen furchtbar schlechten Orientierungssinn habe, ist mir nicht erst seit gestern bekannt. In der Pre-Handy-Zeit brauchte ich vor jedem Treffen mit Freunden, egal wo in der Stadt, eine exakte Wegbeschreibung. Dank Google Maps auf meinem Smartphone kann ich mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal jemanden nach dem Weg gefragt hätte.

Ich schaff’s doch nicht…

Fast jeder von uns war schon einmal in der Situation eine Verabredung kurzfristig absagen zu müssen. Früher war dies ein Problem, schließlich war man darauf angewiesen, dass der Freund gerade zuhause war, damit man ihm telefonisch absagen konnte. Andernfalls musste der arme vielleicht einsame Stunden im verabredeten Restaurant verbringen.

Aber auch das verabreden selbst war weniger spontan. Heute genügt eine kurze Nachricht, um ein Treffen in der nächsten halben Stunde zu organisieren. Auch dies war in der Pre-Handy-Zeit wesentlich diffiziler: Hatte man Lust, sich mit Freunden zu treffen, musste man sich erstmal die Finger von zuhause aus wund telefonieren, bis man zufällig auch jemanden erreichte, dem man von seinem Plan erzählen konnte – ob der dann auch Zeit und Lust hatte, stand in den Sternen.

Zeitvertreib

Das Smartphone ist aber auch ein Helfer in der Not, wenn es darum geht, Zeit totzuschlagen. Wer kennt nicht die unangenehme Situation, wenn man auf jemanden wartet und überhaupt nicht weiß, was man mit sich anstellen soll. Da man sich sofort beobachtet fühlt, ist der Griff zum Smartphone ein Segen, schließlich kann man so allen anderen um sich herum weismachen, man hätte was zu tun.

Wissenshunger

Ich bin unglaublich wissenshungrig und neugierig. Dies hat zur Folge, dass ich schnell das Handy zücke, wenn ich von etwas höre, das ich nicht kenne oder das mich interessiert. Wikipedia sei dank, dass ich meinen Wissensschatz auf diese Weise immer schnell erweitern kann und meinen Wissensdurst stets sofort stillen kann, ohne dass mir eine Sache, über die ich mehr erfahren will, stundenlang nicht aus dem Kopf geht.

Social Life

Ich kann mich noch erinnern, dass eine Freundin einmal zu ihrem Geburtstag einladen wollte und einige Bekannte dabei vergaß. Ganz einfach, weil diese nicht in ihrer WhatsApp-Liste waren, weil sie die App nicht nutzten. Diese kleine Anekdote zeigt, wie abhängig unser soziales Leben vom Smartphone beziehungsweise dem Internet ist. Benutzt man die gängigen Kommunikationsmedien nicht, so läuft man Gefahr – auch völlig unbeabsichtigt – ausgegrenzt zu werden. Schnappschüsse, die vom Nachwuchs der Freunde via WhatsApp verbreitet werden, gingen ebenso verloren, wie Geburtstagseinladungen.

Nein, wir würden alle nicht sterben, wenn wir unser Smartphone einen Monat lang nicht nutzen würden. Allerdings haben wir uns so sehr an die mobilen Begleiter gewöhnt und sie vereinfachen viele Dinge in unserem Alltag, dass wir sie doch irgendwie missen würden. Dennoch gilt es für mich darauf zu achten, dass Smartphone nur dann zu zücken, wenn es nötig ist.

Quelle Teaserbild: flickr.com. Copyright: library_mistress. Rauchverbot / Handyverbot im Parlament. CC BY-SA 2.0

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