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23.05.2016 | | Lifestyle

Schweighöfer, Schweiger, Ferres & Co.: Neue Schauspieler braucht das Land

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Gerade sind die Filmfestspiele von Cannes vorbeigegangen. Mit „Toni Erdmann“ von Maren Ade war endlich mal wieder ein deutscher Beitrag dabei, der große Hoffnungen weckte, dass endlich mal wieder eine goldene Palme nach Deutschland geht. Doch was beim Publikum gut ankommt, muss eine Jury noch lange nicht entzücken. Schade, denn es wäre wichtig, dass der deutsche Film internationale Beachtung findet. Und ebenso die vielen Schauspieler, die noch immer im Schatten der „Granden“ hierzulande stehen. Viel zu lange blicken uns tagein tagaus die gleichen mäßig begabten Volksschauspieler wie Veronika Ferres und Christine Neubauer oder nervende Teenieschwärme wie Matthias Schweighöfer und Til Schweiger aus der Glotze oder von der Kinoleinwand an. Warum wir diese Schauspieler nicht mehr sehen können?

Matthias Schweighöfer

Nun bekommt der ewig grinsende Schauspieler auch noch eine eigene Serie bei Amazon Prime. Ja, sein jungenhafter Charme schlägt einen sicherlich in den Bann, allerdings nur so lange, bis er seinen Mund aufmacht. Immer albern und dadurch ein wenig von der realen Welt entrückt, wirkt der berlinernde Schweighöfer wie ständig auf Drogen. Wenn man sich vorstellt, dass man ihn länger als eine halbe Stunde um sich haben muss, nimmt man lieber schnell Reißaus. Dabei muss man sagen, dass er in der Vergangenheit durchaus interessante Filme gedreht hat, die wirkliches Talent erkennen ließen, wie zum Beispiel „Kammerflimmern“ oder „Kombat Sechzehn“. Nachdem er sich allerdings vollends dem Klamauk verschrieben hat und lieber mit Joko und Klaas um die Wette trinkt, hat sich dieses Talent anscheinend verabschiedet. Mit seichten Komödien, die vom wenig anspruchsvollen Publikum geliebt werden, meldet er sich regelmäßig mit der gefühlt immer gleichen Figur auf den Leinwänden der Republik zurück. Schade, dass zur Abwechslung nicht auch mal etwas mit Tiefgang drin ist.

Til Schweiger

Einer darf bei einer solchen Auflistung selbstverständlich nicht fehlen, weil er es geradezu provoziert. Til Schweiger ist ebenfalls einer dieser nervigen Schauspieler, bei denen man sich fragt, warum sie so erfolgreich sind. Ein Gespühr dafür, was die Menschen sehen wollen, muss er wohl haben, schließlich beweisen das die Besucherzahlen seiner Kinofilme. Allerdings begeistert auch der nuschelnde Til nicht unbedingt mit umwerfendem Acting. Es kommt einem immer so vor, als ob er ein und dieselbe Person spielt und die deckt sich scheinbar mit der Privatperson. Von seiner jugendlichen Verve ist bei dem mittlerweile über 50-Jährigem nicht mehr viel übrig geblieben und sein immer grimmiger werdendes Auftreten gepaart mit ein paar Gläschen zuviel machen ihn immer unsympathischer. Auch die permanente Einbeziehung seiner Tochter in seine Filmprojekte wird zunehmend nerviger.

Christine Neubauer

Älteren Semestern gefällt vermutlich die pseudopatente Aura dieses ach so lebenslustigen Vollweibs. Da bei deren präferierten Sendeanstalten (ARD und ZDF) eigentlich fast nur Filme mit der drallen Neubauer laufen, hat es wohl eher mit dem Prinzip der chinesischen Wasserfolter zu tun, das die älteren Bundesbürger dazu treibt, sie als Schauspielerin zu begreifen. Schaut man sich mit einem objektiven Verstand auch nur länger als einen Wimpernschlag einen Film mit der Neubauer an, kommt man gar nicht umhin, die Unsäglichkeit ihrer Filme zu beklagen. Dies hängt natürlich nicht nur mit ihrem mangelnden Talent, sondern auch der lieblosen Inszenierung der Streifen und deren belangloser Handlung zusammen. Aber der Umstand, dass Frau Neubauer gefühlt nie eine Schauspielschule von innen gesehen hat, macht es nicht besser. Auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit, das irgendwo zwischen plumper Parodie einer Grande Dame und hemdsärmeliger Macherin von nebenan vibriert, tut ihr Übriges dazu, dass man eher abschaltet.

Veronika Ferres

Veronika, der Lenz ist da… Schade, dass noch kein Talent da war. Ob das noch kommt, ist eher fraglich. Nichtsdestotrotz hat sich das „Wunderweib“ ähnlich wie die Neubauer in die Herzen der greisen Zuschauer gespielt – und dass mehr stockig als rechtens. Wie die Ferres es geschafft hat, dass die Öffentlich-Rechtlichen jeden zweiten Film mit ihr besetzen, ist zwar eines der großen Rätsel der Menschheit, dennoch hat dies zur Folge, dass sie allein wegen des rein quantitativen Inerscheinungstretens als „Volksschauspielerin“ tituliert wird.

Spannend ist auch immer wieder die Auswahl ihrer Rollen. So stark, verletzlich und trauernd wie nur irgend möglich – so liebt Veronika ihre Frauen. Dass sie leider keine einzelne der geforderten Emotionen einer Rolle rüberbringen kann, ist ihr dabei egal. Ihr rundes, leeres Gesicht bleibt immer starr, kalt und ohne Aussage – egal wie viele Tränen sie versucht aus ihren toten Augen zu pressen. Besonders spannend wird es, wenn sie versucht, eine vom Leben gebeutelte Frau darzustellen und sich dabei auch nicht zu schade ist, mit Schmutz im Gesicht zu spielen – das kommt beim Publikum immer gut an und sorgt für die x-te Goldene Henne in Folge.

Darum wünschen wir euch hier auch noch jedem einen Preis fürs Lebenswerk und hoffen, Euch mit einer letzten Standing Ovation für immer verabschieden zu dürfen.

Quelle Teaserbild: pixabay.com. Copyright: karosieben.

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