... ... ...

Schützt Eure Töchter vor schwulen Hochzeiten!!!

Quelle: Westfalen-Blatt

Im Internet gibt es mal wieder eine klassischen Shitstorm: Ein gewisser Bernhard, 43, hat dem Westfalen-Blatt einen Leserbrief zukommen lassen, in dem er Kummerkastentante Barbara Eggert um Hilfe bat: Sein schwuler Bruder will heiraten. Beide Männer bezeichnet Bernhard als „wunderbar“. Doch als sie darum baten, dass seine Töchter bei der Hochzeit als Blumenmädchen auftreten, wurde es dem guten Bernhard doch sehr ungeheuer. Schließlich haben er und seine Frau die Kinder gelehrt, dass die Ehe eine ernste Entscheidung zwischen Mann und Frau ist – und vielleicht noch wegen der Steuer. Sein Bruder dürfte erstaunt sein, dass sein Bernhard, der ihn für „wunderbar“ hält und den er anscheinend so mag, dass er seine Töchter als Blumenmädchen wünscht, plötzlich seine Ehe in Frage stellt.

Aber nun gut. Barbara Eggert rät dazu, die Kinder nicht auf die Hochzeit mitzunehmen, da dies sie durcheinanderbringen und verwirren könnte. Fragt man sich, was passiert, wenn die Kleinen irgendwann beim Kaffee sehen, dass die beiden „wunderbaren“ Onkel Eheringe tragen? Oder wenn Sie im TV eine Schwulenhochzeit sehen. Am besten wird es wohl sein, wenn man die zwei Süßen ab sofort von der Außenwelt komplett abschottet. Aber bitte einzeln! Nicht, dass sie sich während ihrer gemeinsamen Abschottung noch entscheiden, lesbisch zu werden. Das würde sie sonst auch verwirren.

Was mich an dieser Sache so aufregt, ist, dass diese Geschichte mal wieder zeigt, welche kruden Ansichten noch immer in manchen Köpfen verankert sind. Klar ist alles viel besser als früher und es ist toleranter geworden – zumindest in Deutschland. Doch Diskriminierung gibt es noch immer – auch wenn viele dies klein reden wollen. Warum wohl steht die Gleichstellung von Hetero- und Homo-Ehepaaren noch immer aus? Weil die Politik weiß, dass sie Wähler verlören, wenn sie diesen Schritt gehen würden. So tolerant ist also unsere Gesellschaft. Ganz zu schweigen von Alltagsdiskriminierungen auf Stammtischniveau, die nur allzu populistisch mit vorgespielter Toleranz das Messer hinter dem Rücken ziehen: „Wir sind ja Schwulen gegenüber ganz offen, aber man hat ja heute das Gefühl, man darf gar nichts dagegen sagen…“ Und wenn man sich Statistiken zu Schwulenfeindlichkeit oder Straftaten gegen Schwule anschaut, verzerrt sich das vermeintlich tolerante Gesicht Deutschlands.

So auch bei Bernhard: Sein Bruder ist zwar „wunderbar“ wie er ist, allerdings nur solange er sich mit seiner schwulen Lebensart in der toleranten Komfortzone von Bernhard bewegt. Gleiches trifft wohl auch auf Frau Eggert zu, wenn man sich ihre Antwort anschaut. Anfangs versucht sie noch Toleranz einzubringen „bei allem Respekt“, zeigt dann aber ihre wahre Einstellung. Auch die Stellungnahme des Westfalen-Blatts stößt ins gleiche Horn. Zunächst wird der Vorwurf der Schwulenfeindlichkeit zurückgewiesen. Das ist so einfach wie stumpf: Nur weil man behauptet, man sei nicht homophob, heißt dies nicht, dass man es auch wirklich nicht ist.

Nun allerdings wird es absurd: Eggert fordert quasi Toleranz für die Intoleranz von Bernhard – anstatt Aufklärung des selbigen! Besonders konfus: „Auch ging es im vorliegenden Fall um eine ganz konkrete Lebenssituation und nicht um eine generelle Handlungsempfehlung.“ Eggert würde also nie zu Homophobie generell aufrufen, aber in speziellen Einzelfällen schon dazu raten?

Genau das ist das Problem unserer Gesellschaft: Neben den unverbesserlich Ewiggestrigen geben viel zu viele nur vor, tolerant zu sein, weil sie ihre wahre Meinung aufgrund der allgemeinen Tendenz in der Gesellschaft verheimlichen. Bei der erstbesten Gelegenheit legen sie allerdings ihre wahren Ansichten offen, indem sie sich durch homophobe Äußerungen verraten. Gerade in der jetzigen Zeit, in der durch nationale und internationale Spannungen fragwürdiges Gedankengut  wieder Konjunktur hat, werden sich wieder viele erheben und in ihrer inneren Überzeugung bestärkt finden. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis es vielleicht eine PEGHDA-Bewegung gibt oder die AfD gegen die Schwulen zum Appell bläst.

Und zum Schluss hier noch der aktuellste Kommentar auf Stammtischniveau, der unter der Stellungnahme des Westfalen-Blattes stand. In diesem wird mal wieder die Homosexualität als „gerade populäre Quasinorm“ stilisiert, die keinen Zweck erfüllt.

Noch besser: Der Kommentator fragt allen Ernstes, ob vielleicht auch bald Pädophilie „in“ sein wird  und stellt somit die Homosexualität auf eine Stufe mit Kinderschändung… So weit ist es also mit der Toleranz in Deutschland!

Nutzerkommentar: Natürlich ist „das Normale“ relativ, es gibt aber gesellschaftliche und teilweise durch die Natur vorgegebene Normen. Welchen Zweck eine gleichgeschlechtliche Ehe, außer einer Lebensgemeinschaft, erfüllen soll, bleibt schleierhaft. Ich würde meine Kinder auf eine schwule „Hochzeit“ ebenfalls nicht schicken, nur weil es gerade populär ist und eine Quasinorm darstellen soll. In ein Paar Jahren wird Pädophilie gesellschaflich tolerabel, da würde ich meine Kinder auch nicht hinschicken. Das Ganze ist ein ganz schmaler Grat.

Danke, Du tolerantes Deutschland! Ich bin jetzt ganz brav still und freue mich ob des Vergleichs mit den Kinderschändern.

Quelle Teaser-Bild: Westfalen-Blatt

... ...