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16.10.2015 | | Lifestyle

Schlechte Kindheitserinnerungen Oder: Ich wollte aber was anderes…

Tattoo mit einem Mann, der ein Schwert hochhält

Als ich mich letztens mit Freunden getroffen hatte, kamen wir irgendwann auf unsere Helden der Kindheit zu sprechen. Bei mir als Kind der 80er gehörten natürlich He-Man und seine Masters of the Universe unbedingt dazu. Noch heute kann ich die meisten Figuren mit ihren teils abstrusen Namen aufzählen, die in meinem Zimmer ihr Unwesen trieben: Sy-Klone, Beast Man, Tesla etc. Doch bei all der Schwelgerei in der kindlichen Vergangenheit tat sich eine alte Wunde auf, die immer mal wieder aufbricht.

Meine Eltern haben mir früher jeden Wunsch von den Augen abgelesen und mir mangelte es wirklich an nichts. Mein Kinderzimmer glich in der Retrospektive betrachtet einer modernen Toys’r’us-Filiale. Das ist jetzt natürlich ein bisschen übertrieben und ich habe auch nicht alles bekommen, was ich wollte, aber ich konnte mich nie beschweren. Allerdings erinnere ich mich an ein Weihnachtsfest, an dem ich mir so sehnlichst die Festung von Skeletor, dem bösen Gegenspieler von He-Man wünschte: Snake Mountain. Hier gab es ein Verlies, eine Außentreppe und sogar ein Mikrofon in Schlangenform, dass die Stimme verfremdete. Als ich dann an Weihnachten unter dem Baum ein riesiges Paket entdeckte, war ich hellauf begeistert. Wie auch heute noch, packte ich das Geschenk mit der Begeisterung eines Kindes aber auch mit Vorsicht aus, um die Vorfreude zu steigern und die Mühe des Schenkenden bei der Verpackung zu würdigen. Was ich dann allerdings sah, war nicht die lilafarbene Burg des Bösen, sondern die grüne Festung von He-Man – Castle Grayskull. Da ich schon als Kind harmoniesüchtig war, habe ich mir natürlich nichts anmerken lassen, weil ich nicht wollte, dass die Schenker – in diesem Fall meine Großeltern – traurig sind. Kleiner Exkurs: Ich habe zu einem Geburtstag zwei Mal die „Zauberin von Grayskull“ bekommen, habe aber nichts gesagt, da ich niemanden traurig machen wollte. Aber zurück zur Burg. Die war wirklich doof. Sie hatte eine Zugbrücke, die nach mehrmaligem Betätigen kaputt war, einen technoiden Thron, der so gar nicht zum Rest der Burg passte und eine Falltür. Diese war leider für die Masters-of-the-Universe-Figuren mit ihren riesigen muskulösen Torsi viel zu klein. Sie bleiben einfach stecken. Der König musste also von seinem Thron aufstehen und mit gezielten Tritten nachhelfen. Ist der Bösewicht dann irgendwann durchgeflutscht, ging es für ihn eine Etage tiefer. Witzig daran war, dass hier zwar eine Art Verlies aufgemalt war, allerdings befand sich daneben direkt der Ausgang der Burg mit der kaputten Zugbrücke – na prima.

Aber dennoch bin ich froh, dass ich diese Burg geschenkt bekommen habe. Ohne dieses „falsche“ Präsent wären meine Kindheitserinnerungen um eine lustige Geschichte ärmer. Und wenn ich jetzt daran zurückdenke, wie lustig ich ausgesehen haben muss, wenn ich versucht habe, die Figuren durch die Falltür zu quetschen, muss ich viel mehr schmunzeln, als wenn ich diese „coole“ Festung von Skeletor bekommen hätte.

Aus diesem Grund noch einmal ein großes Dankeschön an die Schenker von damals.

Quelle: flickr.com. Copyright: Ayleen Gaspar. He-Man Tattoo. CC BY 2.0

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