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18.05.2016 | | Lifestyle

Ohne Rauch geht’s besser!

Ausgedrückte Zigaretten im Aschenbecker

Ich war 16 oder 17 vielleicht auch 18, als ich eine folgenschwere Entscheidung traf: Ich fing an zu rauchen. Was mit einer einzigen – scheinbar harmlosen – Kippe begann, hat sich zu einer krankhaften Sucht entwickelt. Während es anfangs noch hieß „Ich hab das im Griff, ich rauche ja eh nur am Wochenende“, stellte sich dieser Glaube schnell als Irrtum heraus. Zunehmend bahnten sich die Zigaretten ihren Weg in meinen Alltag. Es dauerte gar nicht lange, da kaufte ich mir selbst täglich eine Schachtel Zigaretten und sah das als etwas ganz Normales an. Schließlich sind die Kippen zu kleinen Helferlein meines Alltages avanciert, die mir in stressigen Situationen zur Seite standen und in Erholungsphasen das Entspannungslevel potenzierten. Darüber hinaus strukturierten sie so herrlich meinen Alltag: Jede Tätigkeit wurde mit einer Zigarette eingeleitet und später dann auch abgeschlossen. Ich bin mit der Zigarette aufgewacht und sie hat mich wieder ins Bett gebracht.

Selbstverständlich hab auch ich als Raucher mitbekommen, dass wir eine „aussterbende Zunft“ sind und es gesellschaftlich mehr oder weniger stark forciert wird, aus Rauchern Nichtrauchern zu machen. Allerdings ist man als Mensch zu unglaublichen Verdrängungsleistungen in der Lage, sodass ich all diese Aspekte, wie zum Beispiel die Warnhinweise auf den Schachteln und das Rauchverbot in Restaurants, wunderbar ausblenden konnte. Und auch wenn es um die gesundheitlichen Schäden ging, die das Rauchen unwidersprochen hervorruft, konnte ich mir ganz schnell glänzende Beispiele wie Helmut Schmidt ins Gedächtnis rufen, der trotz Dauerqualmen ein beachtliches Alter erreicht hat und sich seine Menthol von niemandem hat verbieten lassen.

Diese Zeiten sind für mich heute auf den Tag genau seit drei Wochen vorbei. Ich habe von einem auf den anderen Tag die Zigarette Zigarette sein lassen. Und bin seitdem Nichtraucher. Leider haben sich meine Wunschvorstellungen, mit dem Verzicht auf den Glimmstengel wie Phönix aus der Asche aufzusteigen, leider nicht so ganz erfüllt. Eher das Gegengeil war der Fall. Zu Anfang ging es mir richtig beschissen! In meinem Kopf drehte sich alles um Zigaretten. Wer gerade eine Kippe im Mund hatte wurde neidischst angeschmachtet. Frei nach dem Motto: Wieso darf der eine Zigarette rauchen und ich nicht? Diese nervöse, fast fieberhafte Phase dauerte etwa drei Tage an, während derer ich mich wie ein Vulkan verhielt, der jederzeit zum Ausbruch bereit war. Trotz allem habe ich es einigermaßen geschafft, mich im Griff zu behalten. Insbesondere in den ersten Tagen hat mir die App „Rauchfrei“ einen guten Dienst erwiesen. Sie listet nicht nur auf, wie lange man schon nicht mehr raucht, sondern auch wie viele Zigaretten man sich seitdem gespart hat und wie viel Geld man dafür ausgegeben hätte – das ist so einiges… Ein besonderer Motivationskick ist auch die Gesundheitskategorie, die über die erreichten Regenerationsphasen informiert. Zuletzt hat sich mein Blutkreislauf stabilisiert, die Bewegung fällt mir deutlich leichter und die Lungenfunktion hat sich immerhin um bereits 30 Prozent erhöht, check! In acht Tagen haben sich dann auch die Kurzatmigkeit und Abgeschlagenheit vermindert. Das sind doch mal tolle Ergebnisse, die unbedingt zum Weitermachen motivieren.

So positiv die erreichten Ergebnisse laut der App auch sind, so wenig zeigen sie sich bisher in der Praxis. Seitdem ich nicht mehr rauche, habe ich kaum eine Nacht durchgeschlafen. Ich wache jede Nacht auf und habe dann Probleme wieder einzuschlafen. Überraschenderweise bin ich trotzdem am nächsten Tag nicht völlig übermüdet, sondern wesentlich fitter als zu meinen Raucherzeiten. Eine der angenehmen Nebenwirkungen des Nicht-mehr-Rauchens soll ja auch ein klareres Hautbild sein. Vor allem in den ersten Tagen, war meine Haut meilenweit davon entfernt. Die Kraterlandschaft, die sich plötzlich in meinem Gesicht ausbreitete, war beachtlich…. Die Talgdrüsen haben sich inzwischen eingekriegt und das Hautbild hat sich wieder einigermaßen normalisiert. Zudem zeigten sich auch die Lymphknoten äußerst irritiert und schwollen spontan so an, dass ich dachte, mit mir wäre ernsthaft etwas nicht in Ordnung, aber auch die Lymphen haben sich wieder beruhigt.

Diese „Nebenwirkungen“ haben mir erstmals vor Augen geführt, was ich meinem Körper in den letzten Jahren angetan haben muss, wenn er so darauf reagiert. Diese Erkenntnis hat bei mir einen so starken Eindruck hinterlassen, dass ich dieses Mal sicher bin, es wirklich zu schaffen!

Auf Nimmerwiedersehen, Marlboro Gold und alle anderen auch!

Bildquelle: pixabay

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