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25.04.2014 | | Lifestyle

#nofilter… nein, nur Spaß!

Bildschirmfoto 2014-04-25 um 14.44.11

Es ist doch eine Krux: Der morgendliche Blick in den Spiegel kurz nach dem Aufstehen zeigt unser wahres Gesicht. Da sieht man jedes Bier, das uns jemals den Schlund hinuntersickerte, der Rauch jeder Kippe unseres Lebens scheint uns aus den Poren zu quellen – iiiiiieh, Poren – und die Falten an den Augen kommen auch weniger vom Lachen als vielmehr vom Feiern – fuck you, Berghain, WMF & Co. Komisch übrigens, dass bei den verquollenen Klüsen überhaupt noch Falten zu sehen sind. Da wird es heute wohl wieder nix mit dem allmorgendlichen Selfie. Oh, warte, es gibt ja zum Glück noch zig Millionen Filter, die jedem Scheusal ein göttliches Antlitz verleihen. Das hat sich wohl auch Madonna gedacht, die auf Instagram gerade ein dolles Bild von sich geteilt hat. Die mittlerweile geschätzt 95-Jährige will ja auch einfach partout nicht altern und denkt noch immer, sie wäre das heißeste Geschoss seit der Napalm-Bombe. Wer sie mal in natura gesehen hat, weiß, dass ihr Selbstbild zwar ein wenig konträr zur Realität verschoben ist, aber das interessiert sie ja eh nicht. Durch den „minimalen“ Einsatz sämtlicher zur Verfügung stehender Farbfilter dieser Welt verwandelt sich der faltige Lurch in einen glattgebügelten Aal. Dass Madonna dies mittlerweile so weit ins Absurde steigern muss, dass sie auf dem Bild kaum noch zu erkennen ist… richtig, interessiert sie auch nicht. Völlig überbelichtet erkennt man weder Poren noch einzelne Körperpartien – diese gehen einfach ineinander auf. Sie wollte sicher sexy aussehen, das lüsterne Luder, doch leider wirkt sie nur wie… ein weißer Fleck. Die Hände hat sie vorsichtshalber in Latexhandschuhe gepackt – wohlwissend, dass man an ihnen immer das wahre Alter erkennt. Aber hierfür hat sie sich bestimmt auch noch einen Spezialfilter von Instagram entwickeln lassen. Da stellt sich die Frage, ob der Farbfilter quasi Madonnas neuer Toy Boy ist, ihr Jungbrunnen? Und was mag wohl ihr knapp zwölfjähriger Gespiele zu ihrem Bild sagen? Wow, geil, wenn die zu Hause auch so scharf (jaja, Wortwitz) wäre, würde ich direkt mal wieder zu ihr ins Bett schlüpfen. Also zumindest, wenn er auf unförmige Teigklumpen steht – das ist nämlich genau das, woran Madonna auf ihrem neusten Selfie erinnert.

Aber um der alten Dame mal beizustehen, muss man ja sagen, dass nicht nur sie dem Filter-Wahn erlegen ist. Fast kein Selfie kommt ohne Körnungs-, S/W-, Monochrome- oder Polaroid-Filter mehr aus – das kaschiert halt so schön die natürlichen Makel. Sieht man die Person dann allerdings auf der Straße, bekommt man mitunter das kalte Grauen: Runzeln, Falten und Augenringe statt blendendem Sex-Appeal. Die Spitze der (unbeabsichtigten) Ironie sind allerdings Selfies mit dem Hinweis #nofilter – also quasi die „Monster“-Varianten von Charlize Theron. Besonders beliebt bei Promis wie Kim Kardashian, Rihanna oder Beyoncé – am besten noch mit den Zusätzen #nomakeup und #nofakelashes. Da weiß man schon Bescheid: Hierbei kann man in 99 Prozent der Fälle davon ausgehen, dass der oder die Selbstporträtierte wirklich sämtliche Filter übereinander gelegt hat, die sein Smartphone hergibt. Vorzugsweise auch noch einmal am Rechner mit Photoshop bearbeitet – nur um die roten Augen oder so zu beseitigen. #nofilter? Ja, klar.

Autor: Benjamin Blum

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