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21.05.2014 | | Musik

¡Más Shake! – The South American Beat Invasion From Berlin

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Fleißige Berliner-Melder-Leser haben es sicher schon gemerkt: Meine große Leidenschaft ist die Musik, insbesondere alle Formen des Rock. Eine Band begleitet mich dabei bereits seit über 16 Jahren, mittlerweile bin ich länger Fan, als dass ich es nicht war. Sie selbst bezeichnen sich – und dem kann ich nur zustimmen – als beste Band der Welt, kommen aus Berlin (auuus Berlin), sind seit über 30 Jahren im Geschäft und für mich immer allgegenwärtig, auch wenn es gerade mal wieder ruhiger um sie ist. Die Rede ist natürlich von Die Ärzte.

Wenn die drei als Band pausieren, werden Farin, Bela und Rod getrennt voneinander aktiv. Farins Soloausritte haben mich bisher extrem begeistert. Der Mann ist einfach ein begnadeter Texteschreiber und live mit seinem „Racing Team“ (das bestimmt ganz uneigennützig hauptsächlich aus Frauen besteht) der absolute Knaller. Bela konnte mich leider nicht so vom Hocker hauen. Seine Musik ist ganz nett, aber mehr eben auch nicht. Rods Einzelausflüge hatte ich nie so richtig auf dem Schirm – bis jetzt! Denn endlich bekam ich Wind von seiner Band ¡Más Shake!, die es zwar schon seit 2010 gibt, sich aber bislang vor mir verborgen hielt. Das sollte sich in diesem Jahr ändern und darüber bin ich sehr glücklich. So glücklich, dass ihr Konzert in Berlin unmöglich ohne mich stattfinden konnte. Von diesem herrlichen Abend am 16. Mai möchte ich nun berichten.

Aber vielleicht sollte ich euch zuerst kurz in die Welt von ¡Mas Shake! einführen. „The South American Beat Invasion From Berlin“ schreiben sich die Jungs und das überaus bezaubernde Mädel auf die Fahne. Und das fasst es auch schon ganz gut zusammen: Die Vier covern alte Lieder aus den 1960er Jahren, die aus Südamerika, vorwiegend Uruguay, Peru und Argentinien, stammen. Dabei klingen sie, als hätte man die Beatles und Mando Diao in einen Mixer geworfen und mit südamerikanischem Rhythmus gewürzt. Beat-Musik vom allerfeinsten, die nicht auf den großen Erfolg ausgelegt ist, sondern als reines Liebhaberprojekt gefeiert wird. Das merkt man vor allem Rod an – er hat unglaublich viel Spaß auf der Bühne, der ungefiltert auf die Hüften schwingenden Fans überspringt.

Das Hauptstadt-Konzert fand im kuscheligen kleinen Rahmen im Kreuzberger Club „Lido“ statt. Aufgewärmt wurde die Menge von der 60s-Cover-Band Berlin Beat Club,  die mit Stücken von den Rolling Stones, The Who und den Beatles einheizte. Gegen 21 Uhr war es dann soweit, ¡Más Shake! legten los und verwandelten den Saal in ein tanzendes Meer aus Neuzeit-Beatniks. Mal schnell, mal langsam, mal gefühlvoll, mal krachend, mal lautere, mal leisere Töne – die Lieder schallten als bunte, mitreißende Mischung durch die Boxen. Die Texte sind komplett original geblieben, was darin resultiert, dass sie zumeist eher einfach gehalten sind. Denn in den 60er Jahren waren die Englischkenntnisse in Südamerika in der Regel auf wenige Brocken beschränkt, sodass die Songs zum Teil mit etwa 20 Worten auskommen mussten oder sich zu einem charmanten Englisch-Spanisch-Mischmasch vereinten. Das tut ihnen aber keinen Abbruch – im Gegenteil: Sie sind kurz, knackig, eingängig und verbreiten gute Stimmung. Füße still halten ist dabei nicht – die Musik bringt Bewegung in den Körper, ob man will oder nicht. Selbst der größte Tanzmuffel muss wenigstens ein wenig auf- und abwippen. Rod funktioniert als Frontmann hervorragend. Die Interaktion mit dem Publikum war zwar auf ein Minimum reduziert, aber er hat es trotzdem geschafft, die Menge mit wenigen Worten, dafür aber umso ansteckenderem Lächeln, zu begeistern und zum Toben zu bringen. Sicher kam ihm sein „Promibonus“ dabei zugute, allerdings hat man fast vergessen, dass er normalerweise rechts außen am Bass der Ärzte steht. Fast… wäre da nicht dieser Moment gewesen, in dem ein Blick ins Publikum einen ganz besonderen Besucher offenbarte. Mitten in der Menge stand mit seinem unverkennbar breiten Grinsen Farin Urlaub, wippte mit dem Kopf, sang mit und blickte ganz stolz gen Bühne. Herannahende Fans ließ er abblitzen, schließlich sollte es an diesem Abend nur um Rod gehen. Gute Einstellung, Herr Urlaub! Neben Rod stach vor allem die Keyboarderin Katy ins Auge. Ihre blonden Haare schwangen leuchtend durch die Luft und ihr unablässiges Lächeln erhellte alle Gemüter. Beste Laune und eine ansteckende Leidenschaft für die südamerikanischen Beats zogen sich durch die knapp zweistündige Rhythmus-Explosion voller zufriedener Grinsegesichter.

Der Abend war grandios und hat einfach Spaß gemacht. Ein solches Konzert ist sicher nicht nur für die Fans ein besonderes Erlebnis, sondern ganz bestimmt auch für den Star, der es gewohnt ist, Stadien zu füllen und jetzt, ganz so wie zu Anfangszeiten, vor nicht einmal 100 Fans steht. Rod hat sich in dieser Rolle pudelwohl gefühlt und – ebenso wie die anderen Bandmitglieder – viel Freude an diesem intimen Rahmen sowie der wunderbaren Musik versprüht.

Abschließend kann ich jedem nur sehr ans Herz legen, sich ¡Mas Shake! mal anzuhören. Mich haben sie nicht nur voll und ganz überzeugt, sondern auch mein Herz für die südamerikanische Beat-Musik geöffnet. Außerdem freue ich mich, dass Rod mal im Vordergrund steht. Er kann sich richtig ausleben und das macht ihm selbst nicht weniger Spaß als den feiernden Fans.

Ob die Ärzte zu dritt oder solo, für mich gilt: Diese eine Liebe wird nie zu Ende gehen.

Bild: Jasmina Luchs

Autor: Jasmina Luchs

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