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08.03.2016 | | Lifestyle

Lebst Du noch oder abonnierst Du schon?

abo-commerce, käse

Das Internet treibt nun schon seit geraumer Zeit die Abo-Sau durchs Dorf. Hatten anfangs findige Gründer noch durchaus gute und nützliche Ideen, mit denen sie unbescholtenen Bürgern deren hart verdientes Geld aus den Taschen ziehen konnte, treibt der Abo-Commerce nun  wirklich skurrile Blüten. Auf dem Gipfel des Hypes schmeißen nun auch noch die letzten Einfaltspinsel ihre Ideen auf den Markt, um nur irgendwie auch noch vom derzeitigen Trend zu profitieren. Doch wie immer beißen auch dieses Mal die Letzten die Hunde. Doch noch einmal auf Anfang:

Zu Beginn gab es Unternehmen, die ihren Kunden etwa anboten, ihnen in einem bestimmten Turnus Gebrauchsgegenstände zuzusenden. Dazu gehörten zum Beispiel Rasierklingen. Durchaus praktisch, wenn man diese immer pünktlich ins Haus geliefert bekommt und so nicht ständig vergisst, bis man wie ein Waldschrat aussieht.

Die Lebensmittelboxen betreten den Ring

Als nächstes erschienen diverse Fressboxen auf der Bildfläche. Kochzauber, Hello Fresh & Co. beliefern die Menschen immer wieder mit frischen Lebensmitteln, aus denen diese leckere Mahlzeiten zubereiten können. Nun gut, auch eine durchaus brauchbare Idee. Doch irgendwann verselbstständigte sich die Abo-Commerce-Industrie. Die Aussicht, die Kunden als Abonnenten dauerhaft zu binden, war einfach zu verlockend, um nicht auch noch mit der bescheuertsten Box auf Kundenfang zu gehen. Doch sie hatten nicht mit dem verbliebenen Restintellekt des modernen Menschen gerechnet, der dann doch durchschaute, dass er eigentlich fast keine dieser Boxen wirklich braucht. Beispiele gefällig? Gerne doch: Blacksocks schickt auf Wunsch alle vier Monate drei neue paar schwarze Socken. Beim ersten Nachlesen klingt es praktisch. Beim zweiten sagt man sich aber auch: Ich kann mir meine Socken auch so kaufen. Wozu muss ich alles im Abo haben? Übrigens auch noch im Angebot: Unterhosen, T-Shirts und Hemden.

Absoluter Liebling ist aber die Box von Trend Raider – eine Wundertüte, die monatlich mit unbekanntem Inhalt – aber Hauptsache trendy und fair produziert – um Abonnenten wirbt. Ja klar, ich zahle immer gerne für Boxen, von denen ich nicht weiß, was drin ist. Und überhaupt: Wenn irgendwer etwas als „trendig“ bezeichnet, es aber in Wundertüten verstecken muss, zweifle ich die Trendhaftigkeit einfach mal direkt an. Ich tippe mal auf: Pröbchen. Selbiges gilt übrigens auch für Glossybox und Konsorten. Auch hier bezahlt man im Grunde genommen für die kleinen Testgrößen, die man ansonsten früher bei Douglas hinterhergeworfen bekam. Aber diese Unternehmen haben natürlich längst dazugelernt. Wenn sie merken, dass die Leute für diese Produkte auch bezahlen, dann bieten sie natürlich lieber entsprechende Boxen an, anstatt die Sachen umsonst herauszugeben. Und Zuhause stehen die diversen Proben wie immer so lange rum, bis man sie nach Jahren einfach in einen blauen Müllsack schmeißt. Dass genau die Sachen in der Box sind, die man selbst mag oder den eigenen Farbvorlieben entsprechen, darf man schließlich nicht hoffen.

Es kommt noch dicker

Wie dem auch sei. Es kam, wie es kommen musste und nun springt jeder auf den Trend auf und will seine abwegigsten Produkte permanent und automatisiert wiederholt an seine Kunden loswerden. Dazu zählen zum Beispiel auch die Jö-Makrönchen. Nicht falsch verstehen, sie sehen wirklich lecker aus und man will direkt reinbeißen. Aber die Frage ist: Eignen sich Macarons wirklich als Abo-Produkt? Niemand weiß im Vorfeld, wann die kleinen Leckerli leer sind und Nachschub gebraucht wird. Ebenso kann die Vorliebe bei monatlicher Überfrachtung schnell in Überfressen enden.

Gleiches gilt fürs Käseabo. Wer Käse mag, für den ist dies sicherlich spannend und man freut sich auch immer mal wieder eine neue Sorte zu probieren. Im Gegensatz zum Selbstkaufen kann man nie bestimmen, was ankommt. Der leckere Käse vom letzten Mal? Leider Fehlanzeige. Dafür umso mehr vom stinkigen Munster, den man eh nicht mag. Da bleibt einem wohl nur übrig, eine Party zu geben und eine riesige, stinkige Käsehappenplatte für seine Gäste vorzubereiten. Monat für Monat.

Ähnliches gilt für Lootchest. Hier werden einem Goodies für Nerds und Serienfans versprochen. Gut, wer dabei für alle Serien offen ist. Auf ein cooles Gimmick von „The Walking Dead“ folgt eine Batman-Tasse, ein Mario-Kuscheltier, ein Superman-Aufkleber… Wo hatte ich doch gleich nochmal den großen, blauen Müllsack?

Und auch für Kinder gibt es natürlich etliche Abo-Modelle. Was das in der Praxis heißt: Die Kinder werden erzogen, dass sie jeden Monat neues Spielzeug bekommen, das sie sicher gerne gegen das alte austausche, dass dann in der Ecke landet. Hoffentlich gehen sie später nicht auch so mit Menschen um.

Am Lustigsten ist allerdings da Tampon-Abo – damit frau sich immer sicher fühlt. Da allerdings die Regel der Frau nicht immer so pünktlich kommt wie das Abo es verlangt, kann es trotzdem sein, dass man in der Not ohne Tampon dasteht.

Sicherlich mag ein Abo in vielen Fällen eine sinnvolle Angelegenheit sein, dennoch muss man sich selbst fragen, in welchen… Oft ist es nämlich absoluter Blödsinn, der nur dafür sorgt, uns zu binden und noch schneller zu konsumieren, um bei der nächsten Lieferung nicht in einem Meer von Tampons, Käse oder Macarons zu schwimmen. Es bleibt nur abzuwarten, wann es das erste Waschmaschinen-Abo gibt. Auch die gehen nach durchschnittlich fünf Jahren kaputt. Problematisch allerdings, wenn sie doch 15 Jahre hält und man die anderen drei Modelle dann irgendwo einlagern muss…

Quelle Teaserbild: pixabay.com. Copyright: Joergelman.

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