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07.03.2014 | | Fashion

Kaviar Gauche – Product Placement: Setzen, sechs!

Vorab: Ich liebe die Entwürfe von Kaviar Gauche. Kein anderes deutsches Label macht auch nur annähernd so schöne Kleider für die urbane Frau, die so atemberaubend schön sind, dass sich jede Trägerin wie eine Göttin fühlt. Und doch: In puncto Marketing läuft da einiges schief…

Und sie haben es wieder getan: Kaviar Gauche versuchte gestern zum zweiten Mal – nach 2012 – seine Bekanntheit durch mehr oder minder geschicktes Product Placement bei Germany’s Next Topmodel zu steigern. Und wieder kann man nur sagen: Setzen, sechs! Bereits 2012 dachten sich die findigen Marketingexperten des Labels: „Doll, wenn wir da mitmachen, werden wir rasend bekannt!“. Sicher. Für ein High Fashion Label ist GNTM ganz klar das passende Umfeld. Die Zielgruppe der 14-19-jährigen, haben ja so dicke Portemonnaies, dass es den Designerinnen von Kaviar Gauche die Tränen in die Augen treiben dürfte. Und die paar älteren Frauen, die die Sendung schauen, werden sicherlich am nächsten Tag im Büro in Cottbus sagen: „Tolle Klamotten von diesen Kaffiar Gausche. Aber kannste ja hier nüsch dragen“. Die potenzielle Kavair-Gauche-Kundin wird innerhalb der Seherschaft von GNTM eher nicht zu finden sein. Und was nützt es schon, wenn Brigitte aus Marzahn nun weiß, dass Kaviar Gauche die wunderbarsten Kleider Deutschlands designt? Bekanntheit: ja. Relevante/qualitative Bekanntheit: nein!

Bereits die Teilnahme 2012 war ein fataler Marketing-Fehler für Kaviar Gauche. Denn im Jahr darauf versuchte sich das Label nämlich in der Modehochburg und ließ seine Models über den Laufsteg der französischen Hauptstadt flanieren. Doch bei diesem einmaligen Ausflug blieb es leider. Vielleicht steht die Pariser Connaisseurin zwar auf die Entwürfe, möchte sich allerdings nicht in ein Kleidchen wanden, dass bereits in einer TV-Sendung vermarktet wurde, die auch schon Ed Hardy eine Bühne bot, um sich als „Top Label“ zu präsentieren. High Fashion gehört nicht zu GNTM. Ebenso wie kik nicht in die Vogue gehört.

Und so sehr ich die Entwürfe der Designerinnen von Kaviar Gauche auch liebe, so muss ich doch bezüglich ihres Auftretens – zumindest in den Medien – den ermahnenden Finger heben. Leider kommen Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl weder sympathisch noch authentisch rüber. Dies ist nicht böse gemeint und in der Realität vielleicht auch ganz anders. Das mediale Bild vermittelt ein leicht verzicktes, unterkühltes Image. Darum plädiere ich für „Schuster bleib’ bei deinen Leisten“. Meint: Designt weiterhin so wunderbare Mode und platziert diese so, wie es ihr als High Fashion Brand zusteht. Und ein kleines Media-Training kann auch nicht schaden…

Ansonsten fragt man sich: Was kommt als nächstes? Kaviar Gauche mit einem Werbespot bei DSDS? Kaviar Gauche mit einer Kollektion für kik? Mit der Zalando-Kollektion war ein erster Schritt in diese Richtung ja schon getan. Wenn ihr den breiten Markt erobern wollt, dann doch bitte mit einer preisweiteren Zweitlinie – versaut euch nicht das Image. Sonst endet ihr irgendwann wie Pierre-Cardin-Socken aufm Grabbeltisch beim Aldi.

Bildquelle: Mercedes-Benz Fashion by Mercedes-Benz Fashion

Autor: Benjamin Blum

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