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26.10.2015 | | Lifestyle

Kann man das wirklich essen?

Kreativität ist etwas, das nicht erzwungen werden kann. Diese leider nur allzu wahre Wahrheit bekommt man immer wieder mit aller Wucht zu spüren, wenn man sich völlig ohne Idee daran macht, einen Artikel für diesen Blog zu verfassen. Hatte man nicht morgens unter der Dusche eine Blitzidee oder kommt man nach fünfminütiger Kurzrecherche nicht direkt auf ein Thema, weiß man meist schon, dass es sich heute etwas schwerer gestalten wird. Also erstmal bei Facebook schauen und sich von den Posts im Stream inspirieren lassen – nein, abkupfern ist damit nicht gemeint. Findet man auch hier nichts, wird es langsam eng, der Zeitdruck macht die ganze Sache nicht besser. Doch schon merkt man, wie die Gedanken abschweifen. Plötzlich findet man sich wie von Zauberhand auf Amazon wieder – Onlineshopping hilft doch gegen jede Schreibblockade. Und da fallen einem plötzlich die Kaufempfehlungen auf: Warum um alles in der Welt sollte ich mir das Kochbuch „Wurstwerkstatt Brat- und Siedewürste selbst machen“ kaufen. Mein letztes Rezeptebuch, das ich mir in den digitalen Warenkorb getan habe, war eines über die toskanische Küche – nix mit Wurst und braten und sieden…

Halt, ich glaube, jetzt bin ich meinem nächsten Blogthema auf der Spur. Es hat mich gefunden. Denn Kunden, die bereits dieses eher unappetitliche Buch gekauft haben, haben sich noch viel widerlichere Sachen gekauft.

Ein ganz besonderes Highlight ist zum Beispiel „Das große Buch vom Fermentieren“ klingt unessbar und auch beim Lesen des Klappentextes wird es nicht besser. Es geht hier um Nahrungsmittel, die milchsauer vergoren wurden. Nun gut, Sauerkraut & Co. sind ja noch erträglich, aber jetzt geht es richtig los. Ich bekomme es mit den inneren Werten zu tun. „Innereien – Feine Küche mit Leber Herz und Nieren“ bietet köstliche Leckerbissen von Kalbsnierchen bis hin zu feinem Bries. Auch beim Blick in „Herzstücke von Meisterköchen: Das neue Standardwerk der Innereien“ wird einem ganz mulmig: Von Kuttelsuppe über Rindermark mit Kartoffelpüree oder geröstetem Hirn bis hin zu Ochsenmaulsalat läuft einem doch das Wasser im Munde zusammen. Bei dem Titel des Buches „Odd Bits – How to Cook the Rest of the Animal“ genügt bereits das Titelbild; man will gar keinen „Blick ins Buch“ mehr riskieren. Hier begrüßen einen Schweinefüße und … etwas anderes… was auch immer. Kurz gescrollt und es begrüßt einen ein scheinbar lächelnder Schweinekopf nebst dessen Zunge. Weiter unten erwartet den ekelbefreiten Leser entweder ein Auge oder ein Hoden, wer will das schon so genau wissen.

Oh mein Gott, jetzt ist mir schlecht. Aber wenigstens ist doch noch ein wirklich netter Text dabei herausgekommen – passend zum kurz bevorstehenden Halloween.

 

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