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15.06.2015 | | Lifestyle

Jurassic World: Von High Heels, Dino-Mangel und schlechtem Schauspiel

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Als riesiger Jurassic-Park-Fan habe ich mich monatelang auf den 11. Juni gefreut – dem Start des neuen, cineastischen Dino-Meisterwerks. Die Trailer im Vorfeld und die aufwändige Webseite haben das Warten versüßt und Hoffnung auf was ganz Großes gemacht. Leider muss man sagen, dass der Film – trotz des Rekordeinspielergebnisses – auf ganzer Linie enttäuscht hat.

Charaktere, denen man den Tod wünscht

Eine hysterisch-gluckige Helikopter-Mom verabschiedet ihre zwei Kinder am Flughafen und wirkt dabei so unglaubhaft überängstlich, dass man Mitleid mit den Kids bekommt. Die zwei, Gray und Zack, sollen ihre Tante Claire, Leiterin des Freizeitparks „Jurassic World“ auf der Tropeninsel Isla Nublar, besuchen.

Bryce Dallas Howard verkörpert Claire Dearing, die Leiterin des Parks, die wie eine Parodie ihrer selbst wirkt: So überspannt, überagierend, unsympathisch, hysterisch und nervtötend diese Rolle angelegt ist, wünscht man ihr bereits zu Beginn des Films einen schnellen Tod durch einen Dino. Ihr Neffe Zack ist hingegen unangenehm genervt von allem und interessiert sich nicht einmal für die Attraktionen der Insel – immerhin lebende Dinosaurier, die die Wissenschaft zum Leben erweckt hat. Er steht somit stellvertretend für die heutige Gesellschaft, die nur „höher, schneller, weiter“ kennt. Dies ist auch der Grund für die lächerliche Überspanntheit Claires: Im Kampf um die Aufmerksamkeit der Zuschauer (deren Zahlen im letzten Jahr stagnierten (Horror, Horror)) hat ihr Wissenschaftler-Team also einen Super-Dino, den Indominus Rex, gezüchtet, der für Jubel sorgen soll. Anscheinend hat sie aber jetzt, als sie das Tier sieht, doch ein wenig Muffensausen. Also sucht sie Owen Grady auf. Dieser ist ein leicht machohafter Tiertrainier, der mit den so tödlichen Raptoren der vorherigen JP-Filme quasi auf Augenhöhe kommuniziert, was doch eher albern anmutet. Als einziger erträglicher Hauptfigur wollen wir ihm dies aber mal nicht allzu sehr ankreiden.

Auf High Heels durch den Dschungel

Es kommt, wie es kommen muss: Der Super-Dino bricht aus, die Insel muss evakuiert werden, die Neffen gehen verloren, Claire und Owen müssen sie retten und den Dinos Einhalt gebieten. Sie macht dies übrigens die ganze Filmlänge über in High Heels. Respekt, wenn man bedenkt, dass der Film auf einer von Dschungel bedeckten Tropeninsel spielt. Hilfe erwarten sie zunächst von den Raptoren, die Owen ja abgerichtet hat, allerdings eher zum Männchen machen statt auf die gemeinsame Jagd mit ihm als Alphatier. Den Chef des Sicherheitsdienstes (als sinistrer Bösewicht mit Vincent D’Onofrio absolut fehlbesetzt) freut’s, da er so die Feldfähigkeiten der Raptoren begutachten kann, denn er würde die Dinos gerne als Kampfmaschinen im Krieg einsetzen. Allerdings wurden dem Superdino auch Raptoren-Gene eingepflanzt, wodurch er ihre „Sprache spricht“ und sich mit ihm als Alphatier gegen die Menschen verbündet. Letztlich lässt Claire dann aber den T-Rex frei, der sich auf den wilden Super-Dino stürzt – nun übrigens auch die Raptoren, die aus unerklärlichen Gründen jetzt doch wieder die Seiten gewechselt haben. Als aus dem nahen Wasserbasin dann noch ein Mosasaurus (ein riesiger Unterwasserdino) hochspringt und den Indominus Rex frisst, können alle wieder aufatmen. Die Kids finden ihre nun in den Heldenmodus gewechselte Tante – inklusive neuer Frisur, die diese Wandlung unterstreicht (vom strengen Bob zum weichen Wellenschnitt) – plötzlich richtig super. Und auch Owen kann sich nicht mehr zurückhalten und verliebt sich Hals über Kopf in Claire. Gemeinsam werden sie mit Helikoptern von der Insel gerettet.

Wie eine Jurassic-Park-Parodie

Insgesamt wirkt der Film wie eine Parodie auf Jurassic Park. Die Charaktere sind unrealistisch und versinnbildlichen Rollenmodelle (toughe Businessfrau, der alles aus den Händen gleitet, rauer Naturbursche mit Charme, uninteressierter Teen, klugscheißerischer Junge, fettschmieriger Bösewicht) so charme- und schamlos, dass man einfach nur von ihnen genervt ist. Eine wirkliche Beziehung kann man zu den Charakteren leider auch nicht aufbauen, viel zu wenig Zeit bleibt dafür, weil das Drehbuch lieber auf die nächste Action-Szene setzt. Doch auch diese zünden nicht wirklich, weil sie viel zu schnell „abgehandelt“ werden. Der Film rast nur so von einer Szene zur nächsten. Atmosphäre und Stimmung können sich so kaum aufbauen. Man denke an den ersten Teil der Reihe, als sich die Protagonisten gefühlt minutenlang mit dem T-Rex Auge in Auge gegenüberstanden, was dem Publikum Schauer über den Rücken laufen ließ.

Die Story wirkt selbst für die JP-Reihe – die zu Recht zwecks Unterhaltung das ein oder andere Mal auf wissenschaftliche Richtigkeit verzichtet hat – hanebüchen.

Als im Film erwähnt wird, dass in Jurassic World viel mehr Dinos gezüchtet wurden, als in Jurassic Park, fragt man sich, warum man von diesen so wenig sieht. Von Raptoren, Indominus Rex, Flugsauriern und T-Rex abgesehen sieht man andere Dinos nur Sekundenbruchteile. Es hat fast den Eindruck, als wollte man hier Geld sparen. Dabei war das Product Placement im Film doch sicher lukrativ: Die Logos von Mercedes Benz, Samsung, Hilton, Pandora, Starbucks & Co. wurden recht ungalant eingebaut, sodass sie jedem noch so unaufmerksamen Zuschauer übel aufstoßen mussten.

Fazit

Ich liebe Jurassic Park und werde dies auch immer tun. Jurassic World hingegen schafft es nicht, Emotionen zu wecken. Man ist in der Tat ein wenig erschrocken, dass Steven Spielberg als ausführender Produzent von Jurassic World seinem vielzitierten Blockbuster der 90er ein so maues, uninspiriertes Sequel hat folgen lassen, bei dem nicht einmal die 3D-Effekte überzeugen.

Wahre Fans sollten sich auf eine enttäuschende Erfahrung gefasst machen.

Aber keine Sorge: Trotzdem werde ich auch JP5 anschauen, auf den ich mich schon jetzt freue – es kann nur besser werden.

Quelle Teaserbild: pixabay.com

 

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