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20.07.2017 | | Kultur

Ist das Kunst oder kann das weg?

Kuh, bemalt, Plastik, balkon

Dieser Spruch wird nur allzu gern  benutzt, um den künstlerischen Aspekt von Werken, die sich nicht sofort erschließen, infrage zu stellen. Solche Plattitüden ins Feld zu führen, lassen allerdings per se auf ein wenig ausgeprägtes Kunstverständnis schließen. Gerade die zeitgenössische Kunst definiert sich dadurch, dass sie sich nur in einem Diskurs erschließt und nicht beim flüchtigen Betrachten ohne Näheres über den Entstehungsprozess und die Vita des Künstlers zu wissen. Erst dann erklärt sich nämlich, warum er „bloß“ einen schwarzen Kreis auf weißem Hintergrund gemalt hat. Und auch legt man kein gutes Zeugnis über seinen Kunstverstand ab, wenn man ein Werk als „nicht schön“ betitelt. Per definitionem muss Kunst nicht zwangsläufig nur Schönheit repräsentieren – vielmehr zeigen einige Künstler Mut zur Hässlichkeit um Missstände in unserer Welt aufzuzeigen und den Betrachter dafür zu sensibilisieren. Die Kunst lediglich darauf zu reduzieren, dekorativ zu sein, wird ihr nicht gerecht und zeugt von einer falschen Idee von Kunst und dem, was ihre Aufgabe ist.

Dennoch sollte man den einleitenden Satz nicht ganz streichen, denn eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit Kunst generell und auch mit einzelnen Kunstwerken und ihrem Beitrag zur Kultur sind natürlich immer sinnvoll. In diesem Sinne ist auch die Frage zwingend, was eigentlich Kunst ist. Der Antwort lässt sich durch Negation näherkommen: Was ist keine Kunst? Zu diesem Zweck hier drei Beispiele:

Stadtmaskottchen

Berlin hat es vorgemacht – und viele deutsche Städte taten es der Metropole gleich: Das Maskottchen der Stadt – der Bär – wurde von findigen Geschäftsleuten instrumentalisiert und als bunt bemalte Plastik aus Fiberglas als Kunstwerk im öffentlichen Raum propagiert. Bei näherer Betrachtung ist hier von Kunst allerdings nicht viel zu erkennen. Vielmehr geht es um reinen Kommerz. Auch wenn einige Künstler einen Bären bemalt haben, so handelte es sich im klassischen Sinne um Auftragsarbeiten hinter denen finanzielle Interessen als Hauptantrieb stehen. Eine klare Aussage verbreiten die Plastiken nicht. Über die Jahre haben übrigens immer mehr Städte ihre Sinnbilder auf Fiberglas herstellen lassen und verkaufen diese lukrativ.

Festival of Lights

Es steht nicht zur Diskussion, dass das jährlich stattfindende Festival of Lights in der Hauptstadt visuell beeindruckend ist. Und selbst wenn viele die bunten Lichter als schön und deren Arrangement als künstlerisch beurteilen – was durchaus legitim ist –, geht es hierbei nicht um Kunst an sich. Eher ist das Festival of Lights ein Event, das allerdings aufgrund der Ermangelung einer Aussage – und hier ist nicht die Rede von einem übergebauten Motto – und eines anschlussfähigen Diskurses eben keine Kunst ist. Gefällig und künstlerisch ist nicht gleich Kunst.

Ikea-Kunst

Ein weiteres Beispiel, bei dem landläufig von Kunst gesprochen wird, das allerdings nicht in die klassische und Strenge Definition von Kunst passt, sind die vielen Bilder ohne Aussage und Hintergrund, die etwa bei Ikea erstanden werden können. Hierbei kann es sich selbstverständlich um hübsche Bilder handeln, die durchaus auch einen künstlerischen Ansatz haben können. Dennoch liegt das Hauptaugenmerk darauf, dass sich das Werk hübsch in die eigene Wohnung einfügt, was nämlich den wahren Charakter der Bilder offenbart: Es handelt sich hierbei um ein bloßes Dekorationsobjekt, wogegen natürlich nichts einzuwenden ist, allerdings sollte man auch in einem solchen Fall nicht von Kunst sprechen. Wer jetzt ins Feld führt, dass auch ein Stillleben dekorativ ist, dem sei recht gegeben, allerdings ist ein Stillleben immer als eine Allegorie zu verstehen, die symbolisch auf ein bestimmtes Thema rekurriert – meist die Vergänglichkeit des Lebens.

„Ist das Kunst oder kann das weg?“ ist also eine nicht unberechtigte Frage. Allerdings wird sie meist auf Werke bezogen, die per definitionem als Kunst gelten. Bei anderen Gegenständen des Alltags wird allerdings viel zu oft dieser Begriff herangezogen, um diesen einen entsprechenden Flair beizumessen.

Quelle: pixabay.com. Copyright: LoggaWiggler.

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