... ... ...
18.02.2016 | | Lifestyle

Is‘ ja auf einmal alles so schön bunt hier: Von der Verarsche durch Vorher-Nachher-Bilder

swan-1437690_1280

Es gibt so Abende, da will das TV-Programm einfach nichts hergeben. Und an eben diesen Abenden kommt man dann in die missliche Lage, dass man mit der Fernbedienung sogar zu Kanälen zappt, die man wohlweislich weit hinten in der Senderliste programmiert hat. Hierzu zählen neben AstroTV auch die unsäglichen Shoppingkanäle. Diese versuchen selbst den größten Schwachsinn an die Menschheit zu bringen – auf diesen Aspekt werden wir demnächst auch noch eingehen. Heute geht es allerdings um etwas Anderes: Um die völlig überteuerten Produkte wie Schlankheitsgürtel, Lockenstäbe oder anderen Mist zu verkaufen, nutzen die Shopping Channels die perfide Technik des Vorher-Nachher-Bildes.

Das Gemeine daran ist, dass das Vorher-Bild meist eine Frau zeigt, die ungeschminkt, unausgeschlafen und ungekämmt ist. Unschöne Pickel überdecken? Fehlanzeige. Ebenso sollten die Haare auch möglichst strähnig sein. Kein Wunder, dass die Abgelichtete eine Fresse wie sieben Tage Regenwetter zieht. Die rot geäderten Augen lassen sie überdies wie eine langjährige Konsumentin von Crack, Crystal oder Krokodil wirken. Die fahle Haut lässt auf eine akute, zehrende Krankheit schließen. Und der versiffte, viel zu große Hoodie mit Schweiß- und Chicken-Wings-Fettflecken komplettiert das Bild der abgeranzten Pennerin. Würde man diese Gnatsche im Dunkeln auf der Straße antreffen, man würde sich vor Schreck schamhaft abwenden. Hinzu kommt, dass das Vorher-Bild vermeintlich vom blinden Opa der Dame aufgenommen wurde, der scheinbar geradezu darauf abgezielt hat, seine missliebige Enkelin in ein möglichst schlechtes Licht zu rücken. Möglichst düster mit unvorteilhaftem Schattenwurf, dann noch einen körnigen Filter drüber – fertig ist das gespenstische Bild, auf dem die eigene Enkelin wie eine buckelige Brotspinne aussieht.

Doch diese extreme Negativdarstellung ist unbedingt notwendig, um die absichtlich als verhunzten Grottenolm dargestellte Dame auf dem Nachher-Bild als einen Schwan auferstehen zu lassen. Auf diesen wird der Abgelichteten scheinbar die gesamte Jade-Maybelline-Palette von Boris Entrup höchstpersönlich aufgetragen. Dass die Dame auf dem Nachher-Bild nun aussieht wie eine Mischung aus Plastik-Barbie ohne den Hauch einer Pore und einer völlig überzogenen Transe, scheint unwichtig zu sein. Selbstverständlich wird sie außerdem in einen heißen Fummel in leuchtender Farbe gesteckt, nachdem ihre Haut geairbrusht wurde. Das zauberhafte Lächeln wird nur noch von den blendend weißen Zähnen überstrahlt, die am Computer nachträglich in den Farbton Clean Brilliant Super Shiny White gephotoshoppt wurden. Die Haare werden selbstverständlich mit Extensions und Auffüllen wie eine völlig unmenschliche Löwenmähne drapiert, sodass selbst Farrah Fawcett in ihren besten Jahren neidisch geworden wäre. Als Hintergrund dient hier natürlich nicht wie beim Vorher-Bild eine mit dunklem Holz vertäfelte Dachschräge, sondern ein Strandmotiv. Abgelichtet von einem professionellen Fotografen, der mit Hilfe des optimalen Lichteinfalls noch die letzten Kleinigkeiten perfektioniert, wird aus dem hässlichen Aschenbrödel eine Prinzessin.

Es ist erstaunlich, wie oft die Technik des Vorher-Nacher-Bildes erfolgreich zum Einsatz kommt, obwohl es so offensichtlich gestellt und durchschaubar ist. Glauben denn wirklich so viele Zuschauer, dass sie so hässlich wie ein Vorher-Bild sind und nur durch den Kauf der damit beworbenen idiotischen Mondpreis-Produkte zu solch einem – aus schönheitstechnischen Gesichtspunkten fragwürdigen – Plastikschwan werden? Nun denn…

 

Bildquelle: pixabay.com

... ...