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26.08.2015 | | Lifestyle

Generation Selfie(sh)

#selfish

Jede Generation hat ihre eigenen Idole, Ideale, Trends, Distinktionsmerkmale und Eigenheiten. Generation X bezeichnete die geburtenschwachen Jahrgänge von 1960 bis 1980. Sie verfügten über ein relativ hohes Bildungsniveau und waren sehr konsumorientiert. Was sie allerdings besonders prägte war ihre Interessenlosigkeit, was sie mitunter oberflächlich und egoistisch wirken ließ. Ziellosigkeit und Pessimismus waren ebenfalls bezeichnend.

Anschließend machte sich die Generation Y auf, die Welt im Sturm zu nehmen. Hierzu zählen die Jahrgänge 1980 bis 1995. Charakteristisch ist zumeist ein akademischer Hintergrund. Sie werden meist als motiviert, technikaffin und selbstbestimmt beschrieben. Sie wollen mehr aus ihrem Leben machen und legen Wert auf Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit. Die individuelle Entfaltung ist das große Ziel.

Langsam aber sicher kristallisiert sich heraus, wie die Jahrgänge ab 1995 charakterisiert werden können. Sie sind ständig online und das soziale Leben hat sich stark in den digitalen Bereich ausgedehnt. Besonders charakteristisch für diese Generation ist ihre große Ichbezogenheit. Diese spiegelt sich besonders darin wider, dass die eigene Optik eine hohe Priorität hat. Um sich stets des eigenen Aussehens abzusichern, sind Selfies zum Mittel der Wahl geworden. In jeder Lebenssituation wird ein Selbstporträt gemacht, das sogleich in den sozialen Medien hochgeladen wird. Ziel ist es dabei, möglichst viele „Likes“ zu erhalten. Aus dieser Art des positiven Feedbacks – negatives Feedback ist nicht möglich – speist sich das System „Generation Selfie(sh)“. Alles wird dafür getan, die digitale Bestätigung zu bekommen, die jeder in der digitalen Welt sehen kann. Wer mehr Fans und mehr Klicks bekommt, ist beliebt.

Mit negativer (wenn auch konstruktiver) Kritik kann diese Generation darum nur schwer umgehen – schließlich dreht sich in ihrem System alles um Anerkennung. Wurden früher Rufe laut, dass junge Frauen Models nacheifern, ist dies heutzutage auch bei den Männern zu sehen. Ein Großteil ist in Fitnessstudios anzutreffen und eifert sportlichen Stars nach. Schließlich zahlt ein gestählter Körper auf das Anerkennungskonto ein. Ein Selfie eines trainierten Körpers erzielt schließlich mehr Likes. Dass sich erstmals auch Männer auf so breiter Front einem Schönheitsideal unterwerfen ist dabei neu und wird weit weniger von Medien aufgegriffen als dies seit Jahrzehnten bei Frauen der Fall ist. Zumal der Anabolika-Konsum unter jungen Männern stark zunimmt.

Da die Generation Selfie(sh) gerade erst großgeworden ist, ergibt sich derzeit nach und nach ein greifbares, charakteristisches Bild der Generation. Es bleibt spannend abzuwarten, welche weiteren Spezifika sich herauskristallisieren werden.

Bild: Benjamin Blum

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