... ... ...
04.06.2014 | | Musik

Let Me Entertain You – Robbie Williams swings both ways

Robbie Marine_klein

Bombastisch, großartig, gigantisch – es gibt nicht genug Superlative, um das Konzert zum Album „Swing Both Ways“ von Robbie Williams am 29. Mai 2014 in der Berliner o2 World zu beschreiben. Selbst als erfahrene und leidenschaftliche Konzertgängerin muss ich sagen: So etwas habe ich bisher noch nicht gesehen. Die restlose Begeisterung klingt auch jetzt noch nach.

Beeindruckend war bereits die Bühne, die weit ins Publikum ragte. Als der Saal sich endlich verdunkelte, kam Robbie im schicken Frack aus dem Bühnenboden empor und legte gleich mit seinem mitreißenden Swing-Programm los. Als der opulente rote Vorhang dann auch noch fiel, weiteten sich die staunenden Augen: Die Bühne war riesig und beherbergte nicht nur eine Big Band – die natürlich obligatorisch ist, wenn richtig geswingt werden soll – sondern auch einen ganzen Haufen Tänzer und wunderschöne Sängerinnen sowie Guy Chambers, mit dem Robbie viele seiner Lieder geschrieben hat. Schon zu Beginn konnte man das explosive Spektakel erahnen, dass noch kommen sollte. Der Ex-Take That-Sänger tobte über das Parkett und sang sich die Seele aus dem Leib. Natürlich nicht, ohne die Menge zwischendurch auf Deutsch zu begrüßen. Bekannte Swing-Hits wechselten sich mit eigenen Kompositionen und Swing-Versionen „normaler“ Robbie-Lieder ab. Mein absolutes Highlight war „I wanna be like you“, das wunderbare Lied von King Louie aus dem Dschungelbuch. Nachdem die Halle kurz verdunkelt wurde, stürmten die Tänzer als Affen verkleidet auf die Bühne – und mit ihnen Robbie, der sich ebenfalls eine passende Kopfbedeckung aufgesetzt hatte. Genau wie King Louie im Film tanzte der begnadete Entertainer über die Bretter und konnte sich nicht nur meiner überschwänglichen Begeisterung sicher sein.

Das Konzert bestand aus zwei Akten und wurde von einer zwanzigminütigen Pause unterbrochen. Danach erstrahlte die Bühne in ganz neuem Glanz: Plötzlich glich sie einem großen Kreuzfahrtschiff. Die Tänzer schwangen in knappen Marine-Kostümchen die Hüften und Robbie trat im hinreißenden Kapitäns-Anzug auf. Durch und durch ein schöner Anblick. Im zweiten Teil gab es gleich drei Highlights. Das erste war der Solo-Auftritt einer von Robbies Sängerinnen, die Alicia Keys „Empire State of Mind“ anstimmte und mit ihrer Wahnsinns-Stimme den kompletten Saal ausfüllte. Worauf das hinausführte, war zu erahnen: Nach der ersten Strophe betrat Mr. Williams die Bühne und knüpfte mit Sinatras „New York, New York“ an, gleichzeitig erschien im Hintergrund die Freiheitsstatue. Das Schiff fuhr also in den amerikanischen Hafen ein. Kurze Zeit später eine große Überraschung: Zu Robbie gesellte sich sein stimmgewaltiger Vater, um gemeinsam mit ihm ein Lied zu singen – schließlich war ja Vatertag. Der für mich größte Gänsehautmoment folgte aber nach einem Medley aus alten Hits wie Millenium, Let me Entertain you und Candy. Robbie sang Angels und ließ mir damit nicht nur die Haare zu Berge stehen, sondern auch das Pipi in die Augen steigen. Dieses Lied endlich einmal live zu erleben, war schon unendlich lange ein großer Wunsch von mir. An diesem Abend hatte ich gar nicht damit gerechnet, da ich mich ganz und gar auf das Swing-Programm eingestellt hatte. Umso größer meine Freude. Auch ein großes Feuerwerk mit buntem Konfettiregen durfte natürlich nicht fehlen. Den Abschluss machte dann „Sensational“, das noch brandneu und noch nicht einmal veröffentlicht ist.

Robbie selbst war unglaublich sympathisch und publikumsnah. Er las alle Schilder in seiner Reichweite laut vor und hatte zu jedem einen Spruch parat, er schnappte sich das Smartphone eines Fans, um darauf zu unterschreiben und holte nach seiner wundervollen Interpretation von „That’s Amore“ eine junge Frau auf die Bühne, die vor lauter Schnappatmung kaum noch geradeaus gucken konnte. Mit ihr spielte er eine kleine Hochzeit vor, bei der weder das Ja-Wort noch eine innige Umarmung fehlten. Ob die Gute sich jemals wieder waschen wird? Wahrscheinlich nicht… Als würde all das noch nicht reichen, wurde Robbie nicht müde, sich selbst aufs Korn zu nehmen und zum Beispiel in einem Fat-Suit über die Bühne zu schweben – nachdem er die Fans vorher inständig darum gebeten hatte, darauf zu bestehen, dass er bitte niemals wieder fett wird.

Insgesamt dauerte die gewaltige Show, die nicht einfach nur Konzert, sondern pures Entertainment war, zwei Stunden. Ohne Zugaben, die gehörten – und passten – nicht zum perfekt durchgeplanten Konzept. So war es aber ausnahmsweise genau richtig, weil überaus stimmig. Ich weiß jetzt jedenfalls sehr genau, warum Robbie von so vielen als einer der weltgrößten Entertainer gefeiert wird. Bei der nächsten Tour werde ich definitiv wieder dabei sein und freue mich jetzt schon darauf.

 

Robbie Marine_klein

Schiff Ahoi!

 

 

Robbie Papa_klein

Papa Williams

Bilder: Jasmina Luchs

Autor: Jasmina Luchs

 

 

... ...