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09.06.2016 | | Musik

EM-Hymnen gone wrong

Em Nationalmannschaft Fan

Am Freitag startet die Eruopameisterschaft. Für uns Deutsche geht sie so richtig aber erst am Sonntag los, wenn „unsere“ Elf aufläuft. Dass das ganze Land hinter ihr steht, versteht sich natürlich von selbst. Da wird gejubelt, gegrölt und angefeuert, was die verschwitzten Körper so hergeben. Auch die musikalische Entertainment-Branche kann sich selbstverständlich nicht zurückhalten und meint, die Fußballspieler mit besonders exquisiten Beiträgen motivieren zu müssen. Leider, und das müssen wir in aller Klarheit so sagen, hat uns keiner der EM-Songs in diesem Jahr überzeugt. Selbst David Guetta bleibt mit seinem viel zu seichten Elektro-Gedudel weit hinter seinen Möglichkeiten zurück und wird unserer Meinung nach sogar von Mark Foster in den Schatten gestellt. Ein Brüller ist „Wir sind groß“ zwar auch nicht, aber im Vergleich der absolut katastrophalen „EM-Hymnen“ ist der Song noch am erträglichsten. Alles andere als erträglich sind hingegen diese drei Totalausfälle:

Hopsende Möpse ohne Stimme
Melanie Müller mischte einst mit markigen Sprüchen und ihren zwei eindeutigen Argumenten ihre Konkurrentinnen und den Bachelor so richtig auf. Nachdem es mit der Liebe bei dem Format nicht klappen wollte, hatte sie sich mit ihrer Teilnahme wenigstens den Weg ins Dschungelcamp geebnet. Mit ihrer herrlich bodenständigen, „ungeschminkten“ Art eroberte sie erst die Zuschauerherzen und dann die Dschungelkrone. Allerdings verschwand sie mit reichlich Make-up verspachtelt für die meisten Menschen danach dann wieder in der Versenkung. Nicht so für stark alkoholisierte Ballermann-Touristen, die sie und ihr musikalisches Talent auf den Bühnen Mallorcas bestaunen dürfen. Um die Besoffnen bei Laune zu halten, ist es natürlich selbstverständlich, dass da ein EM-Hit nicht fehlen darf, den sie mit Stefan Stürmer (Who the fuck is Stefan Stürmer???) zusammengeklöppelt hat. Da sie selbst in dem Video eher burschikos daherkommt, hat sie die immerwährende Nacktschnecke Michaela Schäfer engagiert, die für hopsende Möpse und Sexappeal sorgen soll – wem’s gefällt… Welche Rolle Frau Müller in diesem Spektakel spielt, bleibt unklar. Stefan Stürmers Stimme trägt den Song, während ihre nur als verhuschtes Wispern im Hintergrund zu vernehmen ist. Wer sich dennoch nicht davon abhalten lässt, sich selbst einen Eindruck von dem Lied zu verschaffen, wird hier fündig.

Das beste Einschlafmittel seit Hoggar Night
Kazim Akboga – insbesondere seit der BVG-Werbung (Is mir egal) dürfte man seinen Gesang – oder wie auch immer man dieses Geleier bezeichnen will – kennen. Beim ersten Mal war es ja alles noch ganz witzig, aber genügt dieser Unterhaltungswert, um mit mehr oder weniger gleicher Melodie plus neuem Text drauf einen Hit zu landen? Wir finden nicht. Ganz im Gegenteil, die Verschandelung der deutschen Sprache ist einfach haarsträubend und der Gesang selbst langweilig. Kennste den BVG-Song, brauchste dir „Deutschland is gute Land“ eigentlich gar nich mehr antun. Überraschungen gibt es keine, Langeweile und fehlgeschlagene Ironie dafür um so mehr – gähn.

Heino bringt Hörer zum Erstarren
Und dann wäre da noch der liebe Heino. Scheinbar hat er sich durch seine Jury-Beteiligung bei DSDS und seine Rocksongs irgendwie zu einer Art Kult-Figur gemausert. Ich weiß zwar nicht, wann das passiert ist, aber es scheint so zu sein. Seiner neuen Rolle muss er natürlich mit einem entsprechenden Beitrag gerecht werden. Er hat sich keiner geringeren Herausforderung gestellt, als sich den ollen Schinken „Fußball ist unser Leben“ zu eigen zu machen. Keine leichte Aufgabe, denn die Hymne der 74er-Nationalmannschaft hat selbst einen gewissen Kultcharakter, der sich durch ein Cover leider nicht potenzieren lässt. Ganz im Gegenteil, seine extrem überzogene Show ist eigentlich nur peinlich und sein haselnussbrauner Gesang lässt einen erstarren. Aufs erste Hören klingt er nach Adolf Hitler, der sich aufmacht, Frankreich im Sturm zu erobern. Eine Assoziation, die sich eigentlich kein Künstler wünschen dürfte. Daher unser gut gemeinter Rat an Heino: Lass es und nimm diesen Fehlgriff schnell vom Netz.

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