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22.09.2015 | | Lifestyle

Einfach mal was nicht können! Oder: Fünf Dinge, die ich nicht kann

Mann sitzt barfuß auf einer Wiese.

Es scheint heutzutage fast so, als hätte sich die Gesellschaft das falsche olympische Motto auf die Fahnen geschrieben. Statt des positiven und aufmunternden „Dabei sein ist alles“, gilt nur noch „Citius, fortius, altius“ (höher, schneller, weiter). Dies zeigt sich darin, dass in allen gesellschaftlichen Belangen nur noch in Superlativen gedacht wird. Das Individuum muss alles perfekt können, Unternehmen müssen jedes Jahr neue Gewinne erwirtschaften, Pilotfilme müssen sofort einschlagen – Stagnation stellt heute eine Niederlage dar. Was das mit uns Menschen macht, ist ganz klar. Wir müssen uns immer mehr selbst optimieren, oder wenigsten vorgeben, dass wir alles können – um den Kreislauf am laufen zu halten.

Jeder kann heute alles – sagen sie zumindest. Aber hey, wir sind alle Menschen, wir sind fehlbar bis zum Gehtnichtmehr. Aus diesem Grund möchte ich – anstatt Euch hier zu langweilen, was ich alles kann – einfach mal ganz offen sein und fünf Dinge nennen, die ich nicht kann.

Man wird doch mal was nicht können dürfen?

Malen: Ja, ich weiß, jeder kann malen. Diesen Satz habe ich schon sehr oft gehört und es ehrt mich, dass man mir zutraut, dass ich malen könnte. Allerdings ist es kein fishing for compliments, wenn ich sage, dass ich wie ein Kleinkind ohne jegliche Begabung krickele. Meine Schwalben sind noch immer krumpelige „m“’s. Pferde sehen bei mir aus wie Monster und wenn ich Portraits von Freunden male, ist Ärger vorprogrammiert.

Schwimmen: Zugegebenermaßen ist das ist nur halb wahr. Schließlich habe ich sogar das Silber-Abzeichen. Dies allerdings eher, weil meine Lehrer mit mir Mitleid hatten und jeder das Ding bekommen hat – wahrscheinlich bekamen sie einen Bonus für jedes verliehene Abzeichen. Das eigentliche Schwimmen ist eher zum Schmunzeln: Wenn andere zwei Bahnen schwimmen, bin ich noch bei der ersten Teilstrecke. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich Arme und Beine nicht simultan bewegen kann. Auch beim Streckentauchen hapert es, denn immer hängt mein Po wie bei einer Ente aus dem Wasser – nicht schlimm, ich schaffe eh nur fünf Meter. Das Tieftauchen klappt ebenfalls nur leidlich. Aber nein, bitte versucht es mir nicht beizubringen. Ich lebe einfach damit und bin trotzdem glücklich.

Singen: Früher wollte ich es nicht wahrhaben, wenn mir jemand sagte, ich könne nicht singen. Über die Jahre musste ich allerdings feststellen, dass alle Menschen entweder in Gelächter ausbrachen, wenn ich ein Lied anstimmte oder sie baten einfach darum, dass ich aufhöre – musste also was dran sein. Dabei hört es sich in meinen eigenen Ohren eigentlich ganz passabel an. Ich werde wohl aber im hohen Alter leider nie in einem Seniorenchor aufgenommen werden, was die spätere Freizeitgestaltung zwar sehr einschränkt, aber auch das kann mich nicht betrüben. Singe ich halt für mich alleine. Kann sich keiner beschweren und ich freue mich, dass es für mich gar nicht schlecht klingt.

Schlagfertig reagieren: Ich bin nun wirklich um fast nichts verlegen und schon gar nicht auf den Mund gefallen. Dennoch stehe ich oft auf dem Schlauch, wenn jemand komplett aus dem Kontext gerissen eine kecke Bemerkung macht. In diesem Fall rattert mein Hirn, versteht die Ironie trotzdem nicht und meist kommt bloß eine Verlegenheitsfloskel aus dem Mund gekrochen, die so gar nicht zu dem passt, was das Gegenüber sagte. Das führt mitunter zu unangenehmen Situationen. Aber auch diese habe ich bislang alle überstanden. Und meist fällt mir dann doch noch eine schlagfertige Antwort ein – leider mindestens eine Stunde zu spät…

Menschen ausreden lassen: Ich habe immer wahnsinnig viel zu erzählen. Die Hälfte davon ist für andere sicherlich uninteressant, aber dennoch muss ich alles loswerden, woran ich denke und was mich beschäftigt. Ab und an ist es ja auch gut, wenn jemand das Reden übernimmt. Allerdings sorgt es für Probleme, wenn dann mein Gegenüber auch mal was sagen will. Eine kurze Atempause seinerseits wirkt in meinem Gehirn wie eine Aufforderung, die Diskussion durch einen Redebeitrag meinerseits wieder in Fahrt zu bringen. Aus diesem Grund möchte ich mich hiermit noch einmal bei allen entschuldigen, die ich jemals unterbrochen habe – und das dürften nicht wenige sein…

Barfuß über Rasen laufen: Ich verstehe nicht, wie so viele Leute dieses Gefühl lieben können. Ich kann dabei nur daran denken, was sich wohl unter dem Gras befindet, auf dem ich herumtrete. Eine ekelige Nacktschnecke? Hundekacke? Ich kann einfach über nichts laufen, bei dem ich den Grund nicht sehen kann – im Meer geht es mir da ähnlich. Darum beim Grillen im Hochsommer im Park bitte auch nicht fragen, ob ich mal schnell die Würstchen umdrehen kann. Bis ich alles angezogen habe, um mich von der Decke wegbewegen zu können, ist alles verbrannt.

Sicherlich gibt es noch viele andere Dinge, die ich nicht kann – da wissen meine Lieben sicher noch besser Auskunft zu geben. Aber das ist es, was mir ad hoc so einfällt.

Ach ja, und hier auch noch ein paar Dinge, die ich nicht so gut kann.

  • Etwas schätzen.
  • Ausschneiden.
  • Warten.
  • Autofahren.
  • Zigaretten drehen.
  • Puzzeln.

Bildquelle: Wikipedia. Copyright: Northeastern Nomad. A barefoot person, lying on the grass of Gantry Plaza State Park in the Long Island City neighborhood of the borough of Queens, in New York City. CC BY-SA 3.0

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