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13.03.2015 | | Lifestyle

Dr. Sommer Ü18

Bild kopulierende Schnecken, Quelle: pixabay

Zugegebenermaßen gehöre auch ich zu den Frauen, die mit Vorliebe die Artikel zu Liebe und Sex in den Frauenmagazinen abarbeiten. Ab und zu ist das eine wirklich nette Ablenkung und sehr unterhaltsam noch dazu. Geballt erzeugen sie allerdings ein skurriles Bild von der Beziehung zwischen Mann und Frau.

Damit Mann und Frau sich verstehen… oder nicht
Angefangen hat mein kleiner Themencheck auf Bild.de. Hier werden die Leser – und unter ihnen vor allem die weiblichen – mit der Headline „7 Fragen, die Männer von Frauen nicht hören wollen“ angesprochen. Klassiker wie „Liebst du mich noch?“ oder „Habe ich zugenommen?“ gehören natürlich erwartungsgemäß zu diesem Kanon dazu. Überrascht haben mich also weder die Fragen noch die Antworten. Natürlich frage ich mich, warum das Thema, obwohl es wenig Neues zu bieten hat, mich dennoch zum Weiterlesen animiert hat. Ohne einen wirklichen Erkenntnisgewinn muss ich wohl zugeben, dass die Beziehung zwischen Mann und Frau in den letzten Jahren zunehmend zu einem Mysterium stilisiert wurde. Frei nach dem Motto: Es geht nicht miteinander, aber ohne schon dreimal nicht. Und da das so ist, muss man auch noch zum 100.0000-sten Mal dazu ansetzen, dem Leser aus der hinterletzten Ecke der Bundesrepublik zu informieren.

Tipps für jede Beziehungslage
Die Cosmopolitan geht indes thematisch gleich in die Vollen. Hier lernen wir „Sexstellungen: Liebespositionen für mehr Lust“ kennen und erfahren „Der Traummann für Frauen ist durchschnittlicher als gedacht.“ Hat Frau so ein durchschnittliches Traumexemplar in ihrem Freundeskreis ausfindig gemacht, fördern die Cosmo-Redakteurinnen die Anbahnung einer Affäre mit „12 Vorteile(n) jemanden zu daten, den man schon lange kennt“. Nichts wie los und wie die Mädels von petra.de sagen würden: „Ran an den Mann“. Was für ein Glück, dass sie uns auch gleich noch „Die ultimativen Flirt-Tipps“ mitliefern, damit bei der Kontaktaufnahme mit dem Kerl des Begehrens auch ja nichts schiefgeht. Grundsätzlich ist es natürlich sinnvoll zu überprüfen, ob der Mann denn auch wirklich ein Traumtyp ist. Keine Sorge, hierzu gibt es auf jolie.de und joy.de Hilfestellungen. Sind die Annäherungsversuche geglückt und ist es offensichtlich, dass die nächste Station Bett heißt, ist guter Rat teuer. Schließlich ist Frau ohne diesen ganz und gar aufgeschmissen. Auf cosmpolitan.de atmen unsichere Mädels endlich auf, wenn sie seinen Penis verstehen lernen. Emanzipierte Frauen, die sich nicht allein von männlichen Fantasien leiten lassen, sondern in der Kiste den Takt angeben wollen, sind gut beraten, sich vorher auf jolie.de „Die besten Sex-Tipps“ abzuholen, um im nächsten Schritt zu erfahren wie man richtig bläst (petra.de). Selbstverständlich könnte es abseits von Missionar- und Reiterstellung auch mal ganz spannend sein, sich anal befriedigen zu lassen. Um hierbei keine Pleite zu erleben, titelt brigitte.de „Analsex – eine Frau hat es ausprobiert“. Zum Glück hat sie die weltweit einzige Frau ausfindig gemacht, die diese exorbitant außergewöhnliche sexuelle Spielart ausprobiert hat und lässt uns nun alle altruistisch daran teilhaben. Auf dem Weg zur 2. anal gevögelten Frau kann nun nichts mehr überraschen. brigitte.de-Leserinnen sind aber auch dann gewappnet, wenn die Beziehung die Kiste verlässt und anstatt Geilheit der Alltag regiert und gibt mit „Die fünf Geheimnisse einer langen Liebe“ Tipps auf den Weg, damit es erst gar nicht soweit kommt. So bleibt die Liebe jung und frisch und am Ende wird natürlich alles gut und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende.

Macht doch was ihr wollt
Die geballte Konfrontation mit den Themen aus der Liebes- & Sex-Spalte der Frauenmedien zeichnet ein ziemlich hilfloses Bild der weiblichen Spezies. Ohne das Allround-Bombardement von Sex- und Liebes-Ratschlägen wären wir doch völlig aufgeschmissen. Grundsätzlich wird aber bei all den medialen Hilfestellungen komplett ausgeblendet, dass wir alle individuelle Wesen mit unseren ganz persönlichen Wünschen und Vorstellungen sind. Jede Beziehung schreibt ihre eigenen Gesetze und genauso verhält es sich mit den Wünschen und Bedürfnissen in einer Partnerschaft. Also Ladies, lasst euch nicht von den stereotypisierten Darstellungen in den Medien beeinflussen, sondern tut das worauf ihr Lust habt und kürt den Mann zu eurem Traummann, den ihr liebt.

Bildquelle: pixabay

Autorin: Maren Fliegner

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