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13.02.2015 | | Lifestyle

Die ausgelutschtesten TV-Formate Deutschlands

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Die Amerikaner machen es seit Jahren vor: Hochwertige Serien erfreuen sich bei den TV-Zuschauern großer Beliebtheit und sorgen für überragende Quoten im seit lange totgesagten Fernsehen. Kommen die Serien ins deutsche TV, so werden diese Perlen nur allzu schnell abgesetzt, weil sich nicht sofort der Knalleffekt einstellt, den man sich erhofft hat. Dabei muss man sagen, dass sich der deutsche TV-Konsument erst einmal an die ungewohnte Qualität gewöhnen muss. Die TV-Landschaft hierzulande hat uns nämlich mit immer gleichen, öden Formaten in den letzten Jahren ziemlich bräsig gemacht. Aus diesem Grund hier einmal die ausgelatschtesten TV-Formate Deutschlands.

Deutschland sucht den Superstar
Bereits mit ihrem Namen belügt uns die Mutter aller Castingshows seit bereits zwölf Staffeln. Jedes Jahr wird ein neuer „Star“ gekürt, der mit etwas Glück noch einen Top5-Hit landet, bevor er wieder in der Senke verschwindet. Haben zum Anfang noch Menschen an dem Format teilgenommen, die halbwegs gar in der Birne waren, so sind seit mindestens vier Staffeln nur noch hirnverbrannte Teilnehmer aus prekären sozialen Umfeldern mit null Sanges-, Artikulations- oder sonst einem Talent zu sehen. RTL freute dies anfangs, da die zur Schau gestellten Hohlbirnen für Lacher und Einschaltquoten sorgten. Mit der Zeit langweilte dieses Konzept aber mehr und mehr Zuschauer – doch RTL rudert nicht gegen. Bald wird es glücklicherweise heißen: Goodbye Deutschland (sucht den Superstar).

Germany’s Next Topmodel
Seit zehn Jahren gibt es Heidi Klums Suche nach einem – zähen – Topmodel nun schon im deutschen TV. In Modeljahren wäre die Sendung also schon eine Greisin. War GNTM früher noch eine Gelegenheit, sich mit seinen Freundinnen zu treffen und mit den Kandidatinnen mitzufiebern, lockt das Format heute lediglich noch Teenager mit dem abwegigen Traum von der großen Modelkarriere vor die Flimmerkiste. Ein wirkliches Topmodel hat die Sendung selbstverständlich noch nie hervorgebracht, kein Wunder, vergleicht man die Teilnehmerinnen mal mit wirklichen jungen, deutschen Branchengrößen wie Toni Garrn, Kathrin Thormann oder Esther Heesch. Über die Jahre ist GNTM zu einer Show verkommen, in der es nur darum geht, ein Gesicht für einen Gillette-Spot zu finden. Ernsthafte Chancen auf eine Modelkarriere hat ohnehin keine Kandidatin. Und werden dann noch Teilnehmer gecastet, wie zum Beispiel Gina-Lisa Lohfink oder Sarah Knappik, die rein äußerlich noch meilenweiter von einem Model entfernt sind als die anderen Kandidaten, macht es die Sendung nicht glaubhafter. Die obligatorischen Zickenkandidaten sind dafür da, das ganze Format spannender zu machen. Über die Jahre hat man sich schließlich nicht die Mühe gemacht, Neuerungen einzubringen, sondern versucht es lieber über den Herzschmerz- beziehungsweise Trashfaktor – der ist quotentechnisch seit Jahren allerdings auch nicht mehr der Bringer. Ach ja, liebe Yellow Press, wenn Du mir noch einmal mit aufgehübschten „Karriereinfos“ der ehemaligen Kandidaten kommst… Über den Laufsteg bei der Berliner Fashionweek zu laufen macht aus einem Mädchen ebenso wenig ein Model, wie Lippenstift aus einer Laboraffen einen Menschen.

Ich bin ein Star, holt mich hier raus
Kurz IBES (oder auch Ibäh) genannt, zählte bis zum letzten Jahr als Quotengarant und Straßenfeger. Die schwindenden Zuschauerzahlen in der nun auch schon neunten Staffel lagen dabei nicht nur an den langweiligen Kandidaten, sondern an der stetigen Wiederholung. Jedes Jahr aufs Neue wird dem Zuschauer ein noch größeres Spektakel versprochen – klar, dass es irgendwann nicht mehr zu toppen ist. Besonders dann, wenn man an dem Konzept generell nichts ändert. Die ewig gleichen Dschungelprüfungen, die ewig gleichen Vorabmeldungen (Pleitegeier, Zwist im Vorfeld, Playboy & Co.) und die ewig gleichen Lästereien hinsichtlich des Pseudo-Promistatus der Kandidaten locken in fünf Jahren – so lange wird RTL die Sendung sicher noch durchrollen – keinen mehr hinterm Ofen vor.

Let’s Dance
Wenn den TV-Kreativen gar nichts mehr einfällt, heißt es immer: Wir brauchen „Promis“! Und die müssen etwas für sie nicht Alltägliches machen. Da sich die richtigen VIPs natürlich zu schade sind, in den Dschungel zu gehen, darf es auch gerne mal etwas weniger Kompromittierendes sein. Wie wäre es zum Beispiel mit Tanzen, dachte sich da ein findiger Schlauberger? Das mag doch jeder und jeder schaut es sich gerne an. Doch selbst hierzu lässt sich allenfalls die dritte Garde der Prominenz verleiten. Bald geht das „Tanzspektakel“ in die achte Runde und bietet wie immer das Gleiche: Tanz, einen auf grummelig getrimmten Juror und ganz viel „Toll gemacht!“. Langsam aber sicher hat sich das Format in den letzten Jahren allerdings aufgrund seiner immer gleichen Dramaturgie selbst in die Ecke getanzt. Bald wird es darum sicherlich heißen: Ausgetanzt!

Promi Big Brother
Vom ehemals gehypten Big Brother, das in insgesamt zwölf Staffeln elf Staffeln bei RTL II lief, ist nur noch der Promi-Ableger übrig, der seit zwei Staffeln auf Sat.1 seine traurigen Runden dreht. „Promis“ der untersten Schiene (die Zweitplatzierte der ersten Staffel war Natalia Osada (???)) lassen sich hier 24 Stunden beim Nichtstun und Dünnschissreden beobachten. Wer von den Teilnehmern sagt, er nehme nicht wegen des Geldes teil, der lügt schlichtweg. Andernfalls müsste er sich schämen, wenn er einfach nur aus Jux bei diesem Blödsinn mitmacht oder er ist so aufmerksamkeitsgeil, dass ihm selbst das schlechteste Mittel dazu recht ist, irgendwie auf der Mattscheibe stattzufinden. Wenn das das „Promi“-Leben ist, von dem viele träumen… Einen roten Teppich haben die Teilnehmer auf jeden Fall schon lange nicht mehr gesehen, wenn überhaupt jemals.

Bauer sucht Frau
Noch immer ein relativer Quotengarant, überzeugt die Sendung ob der ewig gleichen Leier jedoch immer weniger Zuschauer. Zu oft haben wir gesehen, wie sich die armen Bauern auf Geheiß der quotengeilen Redakteurin zum Vollhorst machen müssen. Man sieht förmlich, wie sie dem stark übergewichtigen und intellektuell wenig bemittelten Landwirt sagt: „Zieh dir doch Dein Hemd aus und lass dich von ihr massieren!“. Wir Zuschauer haben uns lange genug in dem Fremdschäm-Ekel gesuhlt und haben langsam genug davon. Übrigens auch von den hochfrequenten „Specials“ zur Sendung, in denen immer wieder die Paare aus vergangenen Staffeln besucht werden.

Shopping Queen
Der ach so nette Guido Maria Kretschmer ist der feuchte Traum aller mittfünfziger Dorfmuttis, die für sich selbst proklamieren, einen ganz exquisiten Style zu haben und darum die absolute Shopping Queen zu sein. In den meisten Fällen haben die Damen allerdings so viel Geschmack, wie C&A, kik & Co. es eben so zulassen. Mit den 500 Euro Shoppingbudget können sie aus diesem Grund oft auch gar nichts anfangen und haben am Ende des Shoppingmarathons noch mindestens 370 Euro übrig. Im Off kritisiert der ach so nette Guiiiiiiiiiiiidoooooo dabei immer wesentlich mehr, als er das bei der finalen Punktvergabe vor den Damen heraushängen lässt. Schließlich muss er ja sein „Schwiegersohnimage“ pflegen und ganz nett sagen: „Die froschgrüne, hautenge Hose ist in Kombination zu dem Harald-Glööckler-Leo-Shirt, der Glitzertasche und den 20-Zentimeter-Stilettos, der Turmfrisur und dem knallpinken Lippenstift zwar gewagt, aber es steht dir! Es ist irgendwie ein Look!“ Vorher hieß es noch, sie sehe aus wie ein Travestiestar…
Das lustige dabei ist, dass Guido immer so herrlich davon redet, wie schön jede Frau ist und dass er die Frauen mit seiner Mode noch schöner machen will – die meisten Kandidaten der Sendung werden sich allerdings die Kreationen des Designers nie im Leben leisten können. Seine Klientel im wahren Leben ist nämlich selbstverständlich eine ganz andere als die, der er im TV den Honig ums Maul schmiert.
Ebenso rührselig gibt er sich übrigens auch in seiner neuen Sendung „Deutschlands schönste Frau“. Hier geht es im Gegensatz zu Heidi Klums Show darum, auch die inneren Werte einfließen zu lassen. Anhand innerer Werte Menschen zu ranken und eine Gewinnerin zu küren??? Das ist ein wenig vermessen. „Mandy, Du bist zwar tough, aber Cindy ist dafür willensstärker, darum ist sie weiter!“ Wären in dem Format wirklich spannende Frauen, die in ihrem Leben etwas geleistet haben – freiwillige Arbeit in einem Hospiz, Mitarbeit bei Ärzte ohne Grenzen, Unterstützung Not leidender Tiere oder Kinder – könnte man sich auch damit anfreunden. In der Sendung sind allerdings „Ottonormalfrauen“ – per se nicht schlecht – deren Alltagsprobleme allerdings so hochstilisiert werden, als wären sie Mutter Theresa höchstpersönlich und man kann kaum verstehen, wie sie ihr Leben in den Griff bekommen. „Wow Cindy, du bist alleinerziehend? Wie machst Du das bloß?“ Schwenk auf die weinende Cindy: „Ja, manchmal ist das schon hart“. Selbstverständlich ist es ein hartes Los, es sind allerdings Probleme, die viele zehntausende Frauen mit ihr teilen – und was berechtigt genau sie zur Teilnahme an der Show? Hier wird Schönheit irrwitzigerweise mit der Bewältigung von Alltagsproblemen gleichgesetzt, die medienwirksam und gefühlsduselig in Szene gesetzt werden, während Guiiiiiiido als großer Selbstwertgefühlsretter stilisiert wird. Jeder von uns hat Probleme – die einen größere und die anderen kleinere. Einen Preis hat dafür allerdings noch niemand bekommen. Aber wir lernen aus der Sendung: Schön bist Du nur, wenn Du innere Werte hast. Nein, innere Werte sind dabei laut „Deutschlands schönste Frau“ nicht etwa Nächstenliebe, Toleranz oder Hilfsbereitschaft, sondern zur Not ein abgebrochener Fingernagel.
Aprops vielbeschworene Emanzipation: Frauen sind laut Guiiiido und verlogenem Grundtenor der Sendung immer schön. Wir Männer also mal wieder nicht…

Doch keine Sorge, liebe TV-Sender. Solange ihr noch genügend Unternehmen findet, die die Werbeblöcke füllen, sendet euren ausgelutschten Krams doch noch einfach ein paar Jahrzehnte weiter. Darum, was die Zuschauer wünschen, geht es Euch doch eh nur mittelbar. Also dürfen wir uns alle auch noch auf GNTM Staffel 153 und IBES Staffel 217 freuen – oder alle gemeinsam abschalten.

Teaserbild Hintergrund: Dezidor, Velký plivanec, CC BY 3.0

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