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19.05.2014 | | Lifestyle

Die Ampel-Frau, das diskriminierte Wesen

Vergesst die Ukraine! Vergesst die Europawahl! Die wirklich wichtigen Themen spielen sich in Berlin ab. Denn eine erschreckende Welle der Diskriminierung schwappt durch die Hauptstadt, eine grüne Welle – und das schon seit Jahren. Übeltäter sind kleine leuchtende Männer, die eine patriarchalische Monopolstellung einnehmen und Frauen nicht nur unterdrücken, sondern sie im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Nichts degradieren. Denn in ihrer kalten Welt gibt es schlicht keine Menschen weiblichen Geschlechts.

Jetzt endlich, nach Jahrzehnten der männlichen Diktatur, lehnt sich jemand gegen diese Unverfrorenheit auf. SPD-Abgeordnete Martina Matischok-Yesilicimen, die jeglicher Diskriminierung allein schon mit ihrem Namen die Stirn bietet, tritt „Aufschrei“ rufend als mutige Kämpferin für den Feminismus auf und fordert „Her mit Ampel-Mädchen!“. Ampel-was? werden sich einige jetzt fragen. Ampel-Mädchen sind nicht etwa leicht bekleidete Damen, die auf Kundschaft wartend an Ampeln lehnen, sondern vielmehr handelt es sich um das weibliche Pendant zum allseits bekannten Ampel-Männchen. Denn, so Frau Matischok-Yesilicimen, es kann ja schließlich nicht angehen, dass auf den Ampeln Berlins nur Männer den Verkehr regeln. Klar, schließlich wechseln Frauen ja auch die Straßenseite und möchten sich dabei natürlich nicht von einem Mann diktieren lassen, wann sie dies zu tun haben. Logisch! Ihre fixe Idee gefunden hat die Gute übrigens auf Reisen. In anderen Städten sind die Ampel-Frauen nämlich schon etabliert.

Frau Matischok-Yesilicimen hat selbstverständlich ganz genaue Vorstellungen davon, wie die Ampel-Mädchen – oder nein, nennen wir sie lieber Ampel-Frauen, das ist politisch korrekter und würdigt das weibliche Geschlecht besser – auszusehen haben. Modern und selbstbewusst sollen sie sein! Und sie sollen bloß nicht in einer typischen Frauen-Rolle dargestellt werden, Zöpfe tragen oder gar zu sexy auftreten. Daher kommen weder Mini- noch Maxi-Röcke sowie High Heels infrage. Eine Hose soll sie tragen, die moderne Ampel-Frau von heute. Und Schuhe mit kleinem Absatz. Allerdings darf die emanzipierte Ampel-Frau nicht gemeinsam mit dem Ampel-Männchen zu sehen sein – denn dort läge wiederum eine weitere Diskriminierungsfalle, da so nur eine sexuelle Orientierungsmöglichkeit dargestellt würde. Traurig muss Frau Matischok-Yesilicimen eingestehen, dass leider nicht alle Vorlieben dargestellt werden können, da ja unter anderem nur die Farben Rot und Grün zur Verfügung stehen. Das ist sicher auch der Grund, warum zum Beispiel Ampel-Transgender nicht zur Diskussion stehen. Genau genommen ist das aber auch schon wieder diskriminierend. Ein Teufelskreis.

Ideal wäre es übrigens, wenn Ampel-Männchen und Ampel-Frauen abwechselnd angezeigt würden. Denn, und an dieser Stelle schaltet sich die Gleichstellungsbeauftrage des Bezirks Berlin Mitte, Kerstin Drobick, ein, sonst könnte sich wieder jemand diskriminiert fühlen.

Soooo teuer sei das ja auch alles überhaupt nicht, mein Frau Ihrwisstschonwer. Ist auch alles kein Problem, Berlin hat das Geld ja. Dass in manchen Schulen die Dächer einstürzen, unfertige Baustellen an jeder Ecke ein unbearbeitetes Dasein fristen und Straßen wie Fahrradwege zu riesigen Schlaglöchern verkommen, ist natürlich halb so wild. Da fehlt halt einfach die gesellschaftliche Relevanz. Und diskriminierend ist auch keine dieser Lappalien. Daher finde ich es nur gut und richtig, dass Frau Schlagmichtot das Geld für die wirklich, wirklich bedeutenden Dinge in die Hand nehmen will, um das Bild der Frau nachhaltig zu stärken.

Mir stellt sich allerdings die ein oder andere Frage:

Wer hat sich überhaupt jemals mit dem Geschlecht von Ampel-Männchen auseinandergesetzt?

Was für arme Seelen fühlen sich durch die grünen Leuchte-Kerle diskriminiert? Und haben diese Menschen nicht vielleicht ganz andere Probleme, wenn Ampel-Männchen sie derart aus dem Konzept bringen?

Was ist eigentlich mit Eltern-Kind-Parkplätzen, auf denen nur das Bild einer Frau mit Kind prangt? Diskriminiert das Männer? Ach, Entschuldigung! Ich ziehe die Frage zurück, Männer werden ja gar nicht diskriminiert. Schon gar nicht von Frauen.

Wie sieht man einer Ampel-Frau an, dass sie selbstbewusst und modern ist? Und wie hilft das dieser Ampel-Frau in ihrer Funktion als aufleuchtende Verkehrsreglerin weiter?

Ändert sich das Fahrverhalten, wenn Ampel-Frauen am Werk sind?

Wäre es nicht eine total dufte Idee, nicht nur die Ampeln, sondern auch gleich alle Verkehrsschilder auf ihre Geschlechtergerechtigkeit hin zu optimieren?

Sollten wir nicht vielleicht Artikel (für RTL II-Zuschauer: der, die und das) komplett abschaffen, um keinem Wort ein festes Geschlecht zuzuweisen und uns damit möglicherweise erneut der Diskriminierung schuldig zu machen?

Liebe Frau Matischok-Yesilicimen, vielleicht möchten Sie mir diese Fragen ja beantworten. Vielleicht können Sie mir dann auch gleich verraten, welche Drogen Sie eigentlich genommen haben. Das muss ja echt ein Wahnsinns-Trip sein, auf dem Sie da unterwegs sind. Und vielleicht wollen Sie sich ja auch mal mit dieser Problematik beschäftigen: Zwar gibt es auch weibliche Lego-Figuren, aber im Allgemeinen spricht man von Lego-Männchen. Ich finde das diskriminierend. Machen Sie sich doch bitte dafür stark, dass demnächst die Rede von Legox ist, ganz nach dem Vorbild der Wissenschaftlerin Lann Hornscheidt, die „Studierx“ als geschlechtsneutrale Bezeichnung für Studenten und „Professx“ für Professoren einführen möchte. Ich bin mir sicher, Sie finden noch viel mehr solcher Beispiele, denen Sie den Garaus machen können.

Autor: Jasmina Luchs

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