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26.02.2014 | | Kultur

Der Papa macht das schon: Bernd Stromberg im Kino

Stromberg (Christoph Maria Herbst) Copyright: Brainpool / Willi Weber

„Man soll den Arsch nicht höher hängen, als man scheißen kann“ – das ist nur eine von unzähligen Weisheiten, die uns Bernd Stromberg seit Jahren in der nach ihm benannten, schwarzhumorigen Pro7-Serie mit auf den Weg gibt. Angelehnt an das britische Original „The Office“ lassen uns die absolut durchschnittsdeutschen Büroangestellten der fiktiven Capitol-Versicherung in Form einer Pseudo-Dokumentation an ihrem ganz normalen Arbeitswahnsinn teilhaben. Ganz nach dem Motto „Lass das mal den Papa machen“ bringt Regisseur Arne Feldhusen das große Finale rund um den egozentrischen Albtraum-Chef mit Fremdschämgarantie jetzt auf die große Leinwand.

Der Film schließt direkt an die fünfte und – leider – letzte Staffel von „Stromberg“ an. Für den geneigten Zuschauer heißt das: Film gucken, ohne die Serie zu kennen, ist nicht. Aber wahrscheinlich würde sowieso niemand, der „den Papa“ nicht schon längst liebgewonnen hat, auf die Idee kommen, sich dieses Stück deutscher „Dokumentarfilm“-Kunst zu Gemüte zu führen. Zu Beginn befinden wir uns, wie üblich, in der altbekannten Capitol-Niederlassung und werden Zeuge, wie Bernd Stromberg ausgerechnet vom Hausmeister von der bevorstehenden Schließung der Filiale erfahren muss. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für die große Betriebsfeier zum 50. Firmenjubiläum. Nach anfänglichem Zögern beschließt Stromberg, seine ganze Truppe zur Feier zu karren und mal so richtig einen drauf zu machen (tatsächlich geht es, wie immer, natürlich um den persönlichen Vorteil: Einschleimen beim neuen Personalchef). Die Fahrt mit einem übermüdeten Busfahrer, der schon seit elf, zwölf oder vielleicht auch 13 Stunden unterwegs ist, wird bereits zum ersten Abenteuer – vor allem als Stromberg selbst das Steuer in die Hand nimmt. Endlich angekommen, entpuppt sich die Betriebsfeier als Schnarchveranstaltung mit fidelnden Geigern und Bildern verstorbener Mitarbeiter. Das kann der Papa natürlich nicht auf sich sitzen lassen und bringt in typischer Stromberg-Manier Stimmung in den Laden. Zunächst gefeiert, später fallengelassen, gipfelt die Bernd-Show in einem wütenden, demonstrierenden Mob epischen Ausmaßes, der ungeahnte Folgen für Strombergs Zukunft hat.

Für Anhänger der Serie ist der Film ein absolutes Muss, schon allein, weil er das Ende einer Ära beschreibt. Daneben übertrifft sich unser Lieblingschef sprüchetechnisch selbst („Manche sind nur das Toilettenschild, ich bin das ganze Scheißhaus“). Politisch unkorrekter als dieser bärtige Mann kann man kaum sein, aber genau das sorgt für einen Lacher nach dem nächsten. Keine Situation, die der Papa nicht meistert – zumindest verbal. Dabei fehlt es weder an Action (Stichwort Schlägerei am Frühstücksbuffet, inklusive um die Ohren gehauenem Fisch) noch an Romantik (die obligatorische Love-Story darf nun einmal in keinem Film fehlen). Sogar ein rührender Taschentuch-Moment ist dabei, ebenso wie eine Prise Erotik. Überraschenderweise spielt Musik eine erstaunlich große Rolle und Stromberg selbst sorgt für einen tief sitzenden Ohrwurm, den man so schnell nicht wieder los wird. Und dann ist da das Ende… im ersten Moment erscheint es überzogen, letztendlich könnte der Schluss aber nicht logischer sein. So und nicht anders muss es für Bernd laufen! Zu erwähnen sind zudem noch die vielen kleinen Spitzen: Zum Beispiel stammt der Reisebus, der die Abteilung Schadensregulierung zur Feier bringt, aus Finsdorf – dem Kaff in das Stromberg einst versetzt wurde. Darüber hinaus wird die schlagzeilenreiche Ergo-Versicherung gleich in mehrfacher Hinsicht auf die Schippe genommen (Ich sage nur Bums-Party. Klingelt’s?).

Neben Christoph Maria Herbst, der Stromberg gewohnt bravurös spielt (und bei dem man sich fragt, ob er sich das „Krawatte-Streichen“ und Augen aufreißen im echten Leben jemals wieder abgewöhnen kann), ist vor allem Bjarne Mädel in seiner Rolle als Berthold „Ernie“ Heisterkamp hervorzuheben. Genialer und überzeugender kann man einen ewig gemobbten, dauerschwitzenden Nervtöter nicht darstellen. Ehrlicherweise muss man sagen, dass der Film hier und da auch ein paar Längen hat, die aber spätestens beim nächsten Stromberg-Spruch ganz schnell wieder vergessen sind.

Fazit: Ein insgesamt kurzweiliger, etwas absurder Film mit einer Menge schwarzem Humor und einem großartigen Bernd Stromberg, der auch mal andere Seiten von sich zeigt. Die Übertragung vom TV auf die Leinwand funktioniert bestens – wer die Serie mochte, sollte sich ganz schnell auf den Weg ins Kino machen.


Quelle: youtube.com Channel von mySpass.de

Bildquelle Teaser-Bild: Stromberg (Christoph Maria Herbst), Copyright: Brainpool / Willi Weber

Autor: Jasmina Luchs

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