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18.11.2015 | | Lifestyle

Das mediale Dilemma

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In der letzten Zeit jagt eine Katastrophe die nächste. Drohte im Sommer noch der Kollaps Europas aufgrund der Griechenlandkrise – und zuvor bereits wegen des Ukraine-Kriegs – so war nur wenig später der Niedergang der Marke „Made in Germany“ wegen des VW-Skandals zu befürchten. In den Schatten gestellt wurde all dies durch den Flüchtlingsstrom, der uns auch in Zukunft weiter beschäftigen wird. Und nun lassen uns auch noch die Terrorakte des IS in Frankreich einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

Es scheint fast, dass jeden Tag eine neue Horrormeldung die Runde macht. All diese Themen sind emotional bewegend und bedürfen gesellschaftlicher Auseinandersetzung und Diskussion. Gebannt werfen wir darum immer wieder einen Blick in die Medien, um uns auf den neuesten Stand zu bringen. Zum Teil mag dazu natürlich auch Sensationslust beitragen, doch zum allergrößten Teil geht es einfach darum, dass man verstehen will, warum solch schreckliche Dinge passieren und um einschätzen zu können, wie es weitergehen wird und sich eine eigene Meinung zu den Geschehnissen bilden zu können.

Das Problem ist allerdings, dass die Medien dieses Informationsbedürfnis zwar stillen wollen, ihnen aufgrund der hohen Schlagzahl an Sondersendungen allerdings eben diese neuen Informationen ausgehen, um sie mit relevanten Inhalten zu füllen. Nach einem Skandal oder während einer Krise sind die Medien – egal ob Onlinemagazine, Tageszeitungen, Nachrichtensendungen oder Radiobeiträge –, tagelang bis zum Bersten gefüllt mit „Neuesten Entwicklungen im Fall XY“. Da die meist recht dürftigen Informationen zu den jeweiligen Themen nicht ausreichen, um auch noch den x-ten Brennpunkt mit neuen Erkenntnissen zu füllen, wird einfach immer und immer wieder das präsentiert, was schon vorgestern bekannt war und bereits zigfach ausgestrahlt wurde. Sickert dann doch das ein oder andere berichtenswerte Newsfitzelchen in die Redaktionen, stürzen sich sämtliche Medien in einer überhitzen „me to“-Attitüde darauf und jagen es über den Äther. Ist nach der fünften Wiederholung der neuen Erkenntnis oder Entwicklung noch Sendezeit oder Leerraum übrig, wird einfach wieder das bereits Gesagte der Vortage repetiert. Sinnbildlich dafür war in den letzten Tagen ein Nachrichtensender, der im Rahmen der Berichterstattung über die Terroranschläge in Paris ihren Korrespondenten zu bereits Bekanntem befragte und dabei in permanenter Dauerschleife ein wackliges Video über die Festnahmen potenzieller Verdächtiger laufen ließ.

Ist gar nichts mehr zu berichten, fällt den Medien auch nichts weiter ein, als Reporter an den Ort des Geschehens zu schicken, die „Stimmungen einfangen“ oder „Betroffene zu Wort kommen lassen“ sollen. Auch dies bringt keine neuen Erkenntnisse, sondern füllt lediglich quotenträchtige Sendezeit. Doch das ist es eben nicht, warum wir diese Sendungen einschalten. Wie bereits eingangs erwähnt, geht es uns als Leser, Zuhörer oder Zuschauer darum, die Dinge einordnen, begreifen und einschätzen zu können. Hierzu tragen die Medien mit ihrer überhitzten Berichterstattung allerdings schon lange nicht mehr bei. Vielmehr besteht die Gefahr, dass aufgrund des selbst aufgebürdeten Zeitdrucks nicht verifizierte Informationen als Wahrheiten verkauft werden und durch überzogene Emotionalisierung mit dem Leid Anderer Quote zu machen. Oftmals bekommt man sogar den Eindruck, als sehnten sich die Medien eine weitere Verschärfung der jeweiligen Krise herbei, um den Teufelskreis am Laufen zu halten. Schließlich wissen die Medienmacher nur allzu gut, dass jede Krise ein Ende hat – das mediale Interesse allerdings noch viel eher. Dies zeigt sich zum Beispiel am deutlich abgekühlten Interesse an der Lage Griechenlands, an der sich bislang nicht viel geändert hat und ebenso am Thema „Flüchtlinge“, das gerade noch alle Medien beherrschte und in den letzten Tagen quasi nicht mehr stattfindet.

Was man sich von den Medien wünschen würde, ist eine Berichterstattung, die sich nicht voller Lust an Skandal, Konflikt und Quote immer und immer wieder berauscht, sondern dafür sorgt, dass wir Bürger uns einen umfassenden und wahrhaftigen Blick über die Ereignisse verschaffen können. Anstatt jede noch so kleine „Erkenntnis“ aufzublähen und nach fünf Minuten hinauszuposaunen, sollten diese gesammelt, bewertet und mit  journalistischer Sorgfalt aufbereitet und in einen Kontext gestellt werden. Nur so können die Medien ihrer Aufgabe – der Information der Öffentlichkeit und der gesellschaftlichen Meinungsbildung – beitragen.

Bildquelle: pixabay.com

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