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11.06.2015 | | Lifestyle

Da tue ich mich schwer… Homo-Ehe im Kreuzfeuer

http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualität_in_den_Vereinigten_Staaten#/media/File:JustsayIdo.jpg

Pünktlich zur heutigen Debatte um die Homo-Ehe im Parlament der Hauptstadt haben wir einmal die „besten“ Contra-Argumente der vergangenen Jahre zusammengefasst, damit sich die CDU-Anhänger nicht so schwer tun müssen, sich neue, scheinheilige Gründe aus den Fingern saugen zu müssen.

“Kinder haben ein gottgegebenes Recht auf Vater und Mutter. Niemand ein Recht auf Kinder”

Dr. Markus Pieper Europaabgeordneter, CDU

Kinder haben vielmehr ein Recht auf eine schöne Kindheit. Das Kindeswohl ist abhängig davon, ob die Eltern – egal welchen Geschlechts – sich um das Kind sorgen. Kindesarmut und -missbrauch muss hingegen Einhalt geboten werden – was nicht per se durch eine Mutter-Vater-Konstellation geschieht.

“Wenn jemand Rüben im Garten hat, kann er auch nicht die Landwirtschaftsförderung eines Bauern beantragen.”

Erika Steinbach MdB, CDU

Liebe Erika, kennst Du den Vergleich von Äpfeln mit Birnen? Wer Rüben für den Eigenbedarf züchtet, der verlangt sicherlich nicht nach einer Landwirtschaftsförderung. Wer sich allerdings ein Kind vom Herzen wünscht und diesem gerecht werden kann und will (Stichwort „Kindeswohl“), dem sollte dies auch zugestanden werden.

“Ich habe überhaupt nichts gegen homosexuelle Paare, aber eine Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften mit Ehepaaren, egal in welchem Gesetz, geht mir entschieden zu weit. Es kann ja sein, dass ich altmodisch bin, aber zu einer Familie gehören für mich idealerweise immer noch Vater-Mann, Mutter-Frau und Kind. Deshalb habe ich auch Probleme, zu akzeptieren, dass diese homosexuellen Paare Kinder adoptieren. Irgendwann lassen sich gleichgeschlechtliche Partner vielleicht noch ihre Kinder aus ihren Körperzellen auf Bestellung herstellen. Wenn ich mir die Ergebnisse beim Klonen oder der Stammzellenforschung anschaue, weiß ich, dass nichts unmöglich ist.”

Veronika Bellmann, CDU

Der beliebte „Ich habe ja nichts gegen XY, aber…“ kann nur böse enden. Entweder hat man nichts gegen XY (Punkt!) oder man findet sie scheiße. Dann solltest man aber auch dazu stehen. Wenn es irgendwann möglich sein sollte, sich Kinder aus den eigenen Körperzellen „herzustellen“, dann werden das sicher auch nicht-gleichgeschlechtliche Paare tun, die keine Kinder bekommen können. Übrigens, liebe Veronika: Du solltest wissenschaftliche Ergebnisse nur anschauen, wenn du sie auch interpretieren kannst. Kannst da das oder parlierst du hier einfach nur Stammtischgewäsch?

Übrigens: Hast Du Angst, dass wir Homos tatsächlich planen, die Welt zu okkupieren? Und wenn ja, warum bräuchten wir dazu die Homo-Ehe?

Und um dir auch diese Angst zu nehmen: Homo-Eltern bekommen nicht automatisch Homo-Kinder. So wie Hetero-Eltern bislang auch die einzigen sind, die Homo-Kinder bekommen. Dürfen diese Eltern dich überhaupt wählen? Schließlich sind sie ja für den Verfall des Abendlandes mit ihrer unnatürlichen Brut verantwortlich?

Wir Homos machen übrigens nur zehn Prozent der Bevölkerung aus – also keine Angst, dass wir Euch überrollen. Wir brauchen Euch ja noch, damit ihr uns Kinder macht, die wir adoptieren und schwul machen können…

“Den Autoren [der Handreichung] mangelt es offensichtlich an Wissen und Erkenntnis, sonst wüssten sie, dass […] homosexuelle Partnerschaften Gottes Willen widersprechen. Gottes Wort ist die einzig gültige Norm und Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erden und der Vater Jesu Christi, ist die einzige und oberste Autorität. […] Dazu gehören uneingeschränkt Bibelstellen, die Homosexualität einer sündhaften Lebensweise zuordnen.”

Thomas Schneider, CDU

Wozu haben wir denn noch Gesetzbücher? Laut Thomas sollte doch nur die Bibel gelten. Und das, obwohl die Trennung von Kirche und Staat eine unserer wesentlichen Errungenschaften darstellt. Oder wollen wir auch Gottesstaat? Ja?

„Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; …“

(3.Mose 20,13)

„Wenn eine Jungfrau verlobt ist und ein Mann trifft sie innerhalb der Stadt und wohnt ihr bei, so sollt ihr sie alle beide zum Stadttor hinausführen und sollt sie beide steinigen, dass sie sterben, die Jungfrau, weil sie nicht geschrien hat, obwohl sie doch in der Stadt war, den Mann, weil er seines Nächsten Braut geschändet hat; …“

(5. Mose 22,23-24)

„Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen.“

(2. Mose 22,17)

Das sind nur ein paar Bibelzitate, die wir dann laut Thomas auch einhalten müssten. Das wird ja eine „Mords“-Gaudi! Ich wetze schon mal die Messer.

„Völlig zu Recht weist die Kollegin Reiche darauf hin. wer im Unterricht durchgängig die Ohren offen hatte, weiß, dass es Qualitätsunterschiede gibt, die sich schon in der Bestandssicherung zeigen.”

Thomas Goppel , CSU

Ach Goppi… das klingt ja fast so schön, wie damals (kleiner Mann mit schwarzem Schäuzer…). Bestandssicherung… so nennst du also das, was nach Aussage deiner Partei als besonders schützenswert gilt: die Familie. Die Fähigkeit zur Fortpflanzung ist also ein Qualitätsmerkmal. Lass das mal nicht deine „minderwertigen“ Wähler lesen, die keine Kinder bekommen können.

„Es geht bei dem Vorschlag [Gleichstellung im Adoptionsrecht] allein um die Selbstverwirklichung von Lesben und Schwulen und nicht um das Wohl der Kinder.”

Volker Kauder MdB, CDU

Ja, Homos wollen sich nur selbstverwirklichen und nutzen dafür schamlos Kinder aus. Heteros geht es hingegen nur um die Arterhaltung.

“Ich halte es aber schon gesetzesökonomisch für fragwürdig, für wenige tausend betroffene Fälle Dutzende von Gesetzen zu überarbeiten”

Günter Krings MdB, CDU

Zum Glück hatte Krings damals noch nichts zu sagen, als die Todesstrafe in Deutschland abgeschafft wurde. Sonst gäbe es die immer noch – war ja auch mal Tradition (und betraf ja auch nur einige wenige).

“Sie können niemals eine Ehe gleichstellen mit der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft, das entspricht überhaupt nicht unserer Tradition. […] Und diese Verbindung als Verbindung kann ja keine Kinder hervorbringen, das wollen die auch gar nicht, sonst wären sie ja nicht in einer lesbischen oder schwulen Lebensgemeinschaft.”

Norbert Geiß MdB, CSU

Recht hast Du, Norbert. Man kann Ehe und Lebenspartnerschaft nicht gleichstellen, weil sich die Regierung querstellt. Pizza und Pasta entsprechen auch nicht unserer Tradition, schmeckt uns trotzdem sehr gut.

Menschen, die keine Kinder wollen, werden also automatisch lesbisch oder schwul? Ist Frau Merkel dann auch lesbisch? Aha…

Aber da Homos laut deiner Aussage per se ja eh keine Kinder wollen, diskutieren wir beim Adoptionsrecht für Homos ja völlig vergebens.

“Die Ehe ist in den allermeisten Fällen auf Kindernachwuchs, also die Gründung einer Familie, angelegt. Man sollte diese natürliche Form des Zusammenlebens deshalb nicht mit einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gleichsetzen.”

Bettina Kudla MdB, CDU

Deshalb sollten allen Ehen, aus denen keine Kinder hervorgehen, folgerichtig auch das Qualitätsprädikat „Ehe“ aberkannt werden. Bestes „Familienvorbild“: Angela Merkel.

„Deshalb bin ich auch gegen das volle Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Ich glaube, dies würde nicht dem Kindeswohl nützen.”

Volker Kauder MdB, CDU

Ja, dem Kindeswohl kommt es sicher gerechter, wenn Mandy (16) und Silvio (17) ihr drittes Würmchen „aus Versehen“ bekommen und in ihrer Wohnung mit Geld vom Amt großziehen. Bis das Jugendamt kommt und es ihnen wie die anderen zwei wegnimmt. Da sagt die kleine Chantalle bestimmt: „Mir geht es gut, denn ich habe Mutti und Vati!“

“Bei einem generellen Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare wäre zu befürchten, dass Kinder von gleichgeschlechtlichen Paaren Stigmatisierungen erfahren und Opfer von Mobbing werden.”

Bernd Busemann MdL Niedersachsen, CDU

Richtig, Bernd! Weil so engstirnige Menschen, wie Du dann mit dem Finger auf die Kinder zeigen und sagen würden: „Iih, das Kind hat zwei Mamis!“ Nur wenn dies „normal“ wird und sich die Gesellschaft zusammenreißt, hat das Kind auch keine verbalen oder physischen Repressalien zu befürchten – die übrigens in diesen Fällen nur von Heterosexuellen kommen.

“Es kann nicht sein, dass unerfüllte Wünsche einzelner dem Recht des Kindes auf Vater und Mutter vorgezogen werden.”

Johannes Singhammer MdB, CDU

Warum gehen die Aussagen in Bezug auf das Kindeswohl eigentlich immer davon aus, dass es Kindern bei zwei Männern oder zwei Frauen per se schlechter geht? Früher wurden Mütter, die ihre Kinder allein großzogen, auch – unnötig – schräg angeguckt. Heutzutage hat man erkannt, dass dies überhaupt kein Problem darstellt – obwohl damals alle Konservativen auch dagegengeredet haben.

Das irische „Ja“ zur Homo-Ehe bezeichnet der Vatikan als „Niederlage für die Menschheit“.

Pietro Parolin, Kardinal-Staatssekretär, Vatikan

Das klingt fast so, als ob mit diesem Recht, das vielleicht insgesamt sieben Prozent der irischen Bevölkerung (denn nicht alle Homos wollen heiraten) in Anspruch nehmen, die ganze Menschheit in Gefahr ist. Es wird niemand verletzt, wenn Schwule und Lesben heiraten. Die Welt, von der die Kirche noch vor geraumer Zeit annahm, sie würde – als Mittelpunkt des Universums – von der Sonne umkreist, wird sich einfach weiterdrehen (um die Sonne). Und niemand wird in seinem Alltag überhaupt etwas davon mitbekommen (sowohl von der Drehung als auch von der Homo-Ehe).

„Ich tue mich schwer damit“.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin, CDU.

Wirkliche Begründungen hat sie nicht, außer, dass sie sich schwer tut. Geht mir beim Aufstehen manchmal morgens auch so. trotzdem raffe ich mich immer wieder auf.

Was Frau Merkel eigentlich sagen will:

Quelle Teaserbild: wikiepedia.org. Davidlud. art to support same-sex marriage, Alamo Square, San Francisco, 2007. CC BY-SA 3.0

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