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02.06.2014 | | Lifestyle

Cheek Plug – Ekel inklusive

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Modified_ear.jpg
by Nicor

Bild.de berichtete über einen jungen Mann – Joel – der sich nicht nur dazu entschieden hat, sein Gesicht mit kleinen metallischen Piercings zu schmücken, sondern sich mit sogenannten Tunneln in der Wange (!!!) einen – sagen wir mal – einzigartigen Look zu verleihen. Und das ist ihm gelungen. Zu dem besagten Artikel und den Bildern gelangt ihr hier.

Ich kann mich noch gut an meine Teenagerzeit in den 90ern erinnern, als plötzlich jeder, der etwas auf sich hielt, nicht mehr ohne ein Piercing leben konnte. Sicherlich war es auch eine Rebellion gegen die Eltern, die selbstverständlich gar nicht begeistert von der Idee waren, dass sich ihr Kind durchlöchert. Diese elterliche Abneigung hat viele von uns aber nicht davon abgehalten, sodass der Glitzerschmuck in Nase, Lippe, Augenbraue, im Nippel, Mund, Bauchnabel und Schambereich nur so um die Wette funkelten. Inzwischen ist diese Art von Dekoration fast nur noch Menschen vorbehalten, die Mandy, Cindy, Ronny, Marcel oder Dominique heißen. Alle anderen haben sich der Ringe und Stäbchen so schnell wieder entledigt, wie sie gestochen wurden – eine Sache von Sekunden. Allein eine Lupe kann heute noch diese Jugendsünden nachweisen.

Von dieser Erfahrung mit Köperschmuck geprägt, beäuge ich inzwischen argwöhnisch jeden Menschen, der seine Ohrlöcher mit riesigen Plugs mit dem Ziel malträtiert, dass sie irgendwann so ausgeleiert sind, dass man eine Gurke durchstecken kann. Mir drängt sich dabei zwangsläufig die Frage auf: Was machen diese Menschen mit ihren schlappen Ohrlappen, wenn sie den Schmuck nicht mehr haben wollen? Als Antwort bekomme ich immer die gleiche Antwort: Na, dann lasse ich sie eben wieder zunähen. Ok… Soweit so gut. Ich habe zwar noch niemanden mit einem zusammengeflickten Tunnel gesehen, bezweifle aber, dass das die individuelle Attraktivität deutlich steigert. Ganz im Gegenteil. Und da wären wir dann schon bei der nächsten Frage nach dem WARUM? Denn wirklich schöner hat dieser Ohrschmuck, meiner Meinung nach, noch niemanden gemacht (ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen). Und damit sind wir dann jetzt auch bei Joel angelangt. Der Anblick, dass sich jemand Tunnel in seine Wangen ballert, irritiert mich zutiefst. Einerseits ekelt es mich so kolossal an, dass ich nur noch wegklicken möchte, aber andererseits ist da diese voyeuristische Neugierde, die meine Augen magisch auf die Löcher im Gesicht zieht. Der Zahnarzt hat leichtes Spiel an die Backenzähne zu gelangen, da er nicht den Umweg über den Mund gehen muss, sondern seinen Bohrer direkt seitlich ansetzen kann. Wenn er jemand anderem seine Zunge rausstrecken will, kann Joel dies auch über die Wange erledigen, genauso wie die Nahrungszufuhr. An dieser Stelle ist mit den Vorteilen dann aber auch Schluss. Nur gut, dass es Plugs gibt, mit denen er die Löcher verschließen kann. Bei der Vorstellung, ihm beim Essen gegenüber zu sitzen und dabei zuzusehen, wie sich das Halbgekaute durch die Löcher seinen Weg nach draußen bahnt, läuft mir ein eiskalter Schauer über den Rücken. Übrigens hat er nicht nur seine Wangen, sondern auch seine Nase mit Tunneln verziert, was bei einem Schnupfen sicherlich auch alles andere als ansehnlich ist.

In den Ohren ist das ja gerade noch so verkraftbar, aber Tunnel im Gesicht gehen einfach mal so gar nicht. Daher rufe ich jeden dazu auf, der seinen Körper verzieren möchte, entscheidet euch für ein schönes Tattoo. Wenn es gut gemacht ist, freut ihr euch immer wieder darüber und erntet bewunderndes Lob eurer Mitmenschen. Beim „Cheek Plug“ ist wahrscheinlich eher das Gegenteil der Fall.

 

Bildquelle: Nicor

Autorin: Maren Fliegner

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