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20.06.2016 | | Lifestyle

#brexit: Die Volksabstimmungsproblematik

#brexit: Ja oder Nein? Eine Frage, die ein ganzes Volk überfordert.

Fast undenkbar, aber für alle, die es noch nicht wissen: In wenigen Tagen findet in Großbritannien die Abstimmung statt, die für ganz Europa von großer Tragweite ist. Die Briten entscheiden über ihren Verbleib in der EU beziehungsweise über ihren Austritt aus der Gemeinschaft. Die Pro- und Contra-Argumente wurden in der Vergangenheit bereits in diversen Medien mehr oder minder professionell, kritisch und objektiv diskutiert und sollen an dieser Stelle außen vor gelassen werden. Vielmehr geht es um die Probleme, die eine Volksabstimmung aufwirft.

Grundsätzlich klingt die direkte Demokratie nach einer sehr guten Idee. Bei so weitreichenden Fragestellungen wie dem Ausstieg aus oder dem Verbleib in der EU kristallisieren sich allerdings ihre Probleme heraus. Dass Entscheidungen von Parteien oder Politikern ebenso problembehaftet sind, sei an dieser Stelle dahingestellt.

Komplexität macht Vorhersehbarkeit der Konsequenzen unmöglich

Weder der Arzt aus London, noch die Hausfrau aus Liverpool, der Student aus Birmingham oder der Bauer aus Cornwall kann die Komplexität einer entsprechenden Fragestellung begreifen. Denn ein Austritt aus der EU würde sämtliche Bereiche der Gesellschaft betreffen und umwälzen. Eine Entscheidung auf objektiver Ebene ist somit per se unmöglich, da niemand über das nötige Fachwissen verfügt, die Konsequenzen für die Gesellschaft in Gänze abzusehen. Und selbst die medial verbreiteten Pro- und Contra-Argumente der Experten taugen nur bedingt zur Meinungsbildung. Letztlich geht es bei Argumenten wie so oft um eine Vertrauens- und Glaubensfrage und darum, die eigene „Meinung“ zu untermauern – und zwar auf allen Seiten.

Das Volk stimmt nicht ab, sondern die Bürger

Wie gerade beschrieben, fehlt dem Volk das weitreichende Verständnis, um sich bei komplexen Fragestellungen so entscheiden zu können, dass keine negativen Konsequenzen entstehen.

Und nun wären wir auch schon beim zweiten Punkt. Eine „Volksabstimmung“ im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Sie würde eine Diskussion aller Bürger mit einer gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung voraussetzen, was nicht umsetzbar ist. Anstatt als diffuse Masse aka „Volk“ gibt jeder Bürger für sich selbst eine Stimme ab. Und da sich meist jeder selbst der Nächste ist, betrachtet man aus Gründen der Reduktion der eigenen Lebenswirklichkeit auch nur mögliche Konsequenzen für sich selbst. Hatte man in der Vergangenheit wirtschaftliche Einbußen, sind viele für Argumente offen, die es ihnen glaubhaft machen, dass ein EU-Ausstieg dies ändern würde und votieren nun auch dafür. Inwiefern diese Entscheidung allerdings andere oder gar das Volk beeinflusst, bleibt unbetrachtet. Eine „Volksabstimmung“, bei der eine diffuse Masse quasi als eine Entität zu ihrem eigenen Wohle abstimmt, ist unmöglich. Vielmehr geht es um eine Art Bürgerabstimmung, bei der jeder für sich selbst abstimmt und die derzeitige Mehrheit gewinnt.

Uns bleibt nun allerdings nichts Weiteres als abzuwarten und Tee zu trinken. Schon am 24. Juni werden wir über die Entscheidung der einzelnen Briten Bescheid wissen – die Konsequenzen die sich durch die Entscheidung der Mehrheit für das Volk ergeben, werden sich allerdings erst in der Zukunft zeigen.

Quelle Teaserbild: pixabay.com. Bildrechte: PeteLinforth.

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