... ... ...
15.04.2016 | | Uncategorized

Bis der Magen kollabiert: Von XXL-Schnitzeln, Riesenrouladen, Monsterbuletten & Co.

schnitzel-1211098_1280

Ich bin nun wirklich kein Kostverächter und wenn mir etwas Leckeres hübsch drapiert auf einem Speiseteller kredenzt wird, ist das Essen auch meist in kürzester Zeit verputzt. Meine Scheunendreschermentalität ist womöglich ein vererbtes Überbleibsel der allgemeinen deutschen Nachkriegserfahrung: Wenn was da ist, dann rein damit. Das heißt allerdings nicht, dass Essen für mich vor allem Genuss bedeutet. Gute Zutaten, Liebe bei der Zubereitung und auch das Auge isst mit. Das scheint allerdings nicht für alle Bundesbürger zu gelten, was sich nicht zuletzt daran zeigt,  dass es noch immer weit mehr XXL-Restaurants gibt als man denkt. Doch woran liegt’s?

Am Ambiente?

Liegt es vielleicht am Ambiente, dass die XXL-Restaurants so angesagt sind? Vielleicht… Oft handelt es sich um dunkle Löcher in altdeutscher Tradition. In den Lokalitäten mit Vereinsheimcharakter setzt man natürlich auf Eiche rustikal: Stühle, Tische, Toilettendeckel und und und… alles aus Holz. Zu allem Überfluss ist natürlich die Decke ebenfalls mit Holz verkleidet. Ach ja, die allumgebende Vertäfelung sorgt noch für einen Extraspritzer piefiger Spießigkeit. Wenigstens sorgt dieses düstere – ähem – Ambiente dafür, dass man die „Leckereien“ in all ihrer Pracht nur erahnen kann. Wenn sich dann auch noch Dutzende Fressmaschinen vom nahegelegenen Altmänner-Fußballverein wie die Schweine an einem XXL-Schnitzel von gefühlten 50 Kilo zugange machen, kommt einem selbst das Essen wieder hoch. Um es mit Udo Jürgens – Gott hab ihn selig – zu sprechen:

Sie schwatzen und schmatzen, dann holen sie sich,

noch Buttercremetorte und Bienenstich.

Sie pusten und prusten, fast geht nichts mehr rein.

Nur ein Mohrenkopf höchstens, denn Ordnung muß sein.

Hier fühlt hauptsächlich „Mann“ sich wohl und kann in seinen steinzeitlichen Habitus zurückfallen: Ohne Besteck einfach die Zähne ins Fleisch schlagen bis das Fett nur so das Doppelkinn herunterrinnt.

Am Essen?

Was für die einen der Grund ist, ein XXL-Restaurant aufzusuchen, ist für andere der Grund zur Flucht: das Essen. Betrachtet man sich die lieblos gestalteten Speisekarten, in denen das Essen so unvorteilhaft es nur geht, inszeniert wird, kommt jedem Ottonormalbürger mit Geschmack das Würgen – während eingefleischten Fans die kalte Rotze im Munde zusammenläuft. Imbissbudenfraß der schlimmsten Sorte – und das in larger than life. Es gibt kaum eine unappetitlichere Vorstellung eines Essens, als in Form einer so riesigen Menge, dass man nicht weiß, ob es sich jetzt um ein Schnitzel handelt oder um die gesammelten Schlachtabfälle einer Walfängerei umhüllt von verbrannter Panade in tranigem Fett. Die fünf Kilo Pommes, die sich unter dem Flatschen verbergen sind vom triefenden Öl, das noch immer aus der Panade sifft, vollständig aufgeweicht und erinnern eher an flüssiges Kartoffelpüree.

Was macht also den Reiz aus?

Hauptsächlich wird hier an die niederen Instinkte der Männer appelliert. Es geht um das Wetteifern untern den Männchen. So albern „Wer kann am meisten Essen?“ auch klingen mag, für die Herren der Schöpfung ist es ein Contest – und schließlich ist es einfacher um die Wette zu fressen, als ständig die Schwänze herauszuholen, was für viele sicherlich auch eine viel peinlichere Schmach wäre, als „nur“ die Hälfte des 1,5-Kilo-Schnitzels verputzen zu können.

Na dann, guten Appetit!

Bildquelle: pixabay.com

... ...