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06.03.2014 | | Musik

Backstreet’s back, alright – wenn Frauen zu Teenies werden

BSB

Vor 20 Jahren eroberte eine Boyband Deutschland, der die Herzen unzähliger Mädchen im Sturm zuflogen. Dienstagabend trafen sich einige dieser Mädchen in Berlin wieder, um eine Zeitreise in ihre Teenie-Vergangenheit zu erleben. Die Backstreet Boys machten im Zuge ihrer „In a World Like This“-Tour die o2 World unsicher und verwandelten vornehmlich 30- bis 40-jährige gestandene Frauen in kreischende, zwölfjährige Abbilder ihrer Selbst. Auch ich, gerade in mein drittes Jahrzehnt gewechselt, konnte nicht anders, als mir eine Dosis dieser speziellen Verjüngungskur einzuverleiben. Und es war ein Fest, bei dem sich die Band selbst nicht weniger feierte als es ihre einstigen Fans taten.

Nachdem die Vorband ihr Werk vollendet hatte, rieselten zur Einstimmung schon mal die Songs der Backstreet Boys durch die Lautsprecher und untermalten ein buntes Potpourri an Selbstbeweihräucherung. Auf großen Leinwänden wurden wir nicht nur auf das neue Album, den Fanclub und den bald anlaufenden Kinofilm (ja, wirklich) aufmerksam gemacht, sondern auch auf die – Achtung – Backstreet Boys Cruise, eine Kreuzfahrt mit exklusiver Bespaßung durch die fünf Herren. Nach Dauerschleife dieser dezenten Hinweise verdunkelte sich um kurz nach 21 Uhr endlich der Saal. In weißen Anzügen stürmten BSB auf die Bühne und starteten sogleich mit einer ihrer unverwechselbaren Choreographien. Und plötzlich klopfte das wahre Alter an – denn was als Teenie noch wahnsinnig  cool war, wirkte jetzt eher lächerlich und albern. Aber was soll’s, das wilde Getanze gehört nun mal dazu – auch, wenn es mittlerweile ob des ebenfalls gestiegenen Alters der Protagonisten merklich weniger wild ausfiel als noch vor 20 Jahren.

Es folgte schließlich eine gute, ausgewogenen Mischung aus alten und neuen Songs von Teil- über Vollplayback bis hin zu Livegesang, der nicht immer eine Wohltat für die Ohren war. Während die neuen Werke eher hingenommen wurden, bebte der Saal bei altbekannten Stücken bis ins Arenadach. Überall sprangen Frauen umher, sangen lauthals mit, filmten einzelne Lieder mit ihren Handys und kreischten sich die Seele aus dem Leib. Vor allem bei „We’ve got it going on“ und „Backstreet’s back“ gab es kein Halten mehr. Die Jungs quittierten die Begeisterung mit den üblichen, extra gelernten deutschen Floskeln: „Deutschland, isch liebe disch“, „Berlin, du bist so schön“, „Kuss misch“. Jeder der Fünf gab seine deutschen Bröckchen zum Besten und betonte unermüdlich, wie dankbar die Band Deutschland sei, da die hiesigen Fans sie zu dem gemacht hätten, was sie heute sind. Ach ja, und jeder der Fünf wies ebenso unermüdlich auf das neue Album hin und fragte in die Runde, wer es denn schon erworben habe. Nachdem die anfänglichen Videos bereits ihren Teil dazu beigetragen hatten, konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, die Band hätte es ein wenig nötig.

Insgesamt wechselten BSB drei Mal ihre Outfits und gaben sogar ihr Können auf Instrumenten zum Besten. Der selbstgenannte Grund: Da das fortschreitende Alter das Tanzen immer schwieriger macht, werden Instrumente gelernt, damit das lustige Musizieren ewig weitergehen kann. Gitarre, Piano & Co. kamen vor allem beim Akustik-Set zum Tragen, welches meine Begleiterin mit „Das erklärt, warum sie nie ein MTV-Unplugged hatten“ kommentierte. Ganz Unrecht hatte sie damit nicht – stimmgewaltig ist nicht unbedingt ein Attribut, das man den Fünfen zuschreiben würde. Hinzu kam, dass der Ton leider nahezu durchweg schlecht war. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch und nach zwei Stunden Spielzeit mit zwei Zugaben à einem Lied fand die Reise in die Vergangenheit schließlich ihr Ende. Wer wollte, konnte noch bei der After Show Party weiterfeiern. Angeblich sogar mit den Jungs – aber ohne mich, denn der Ruf des heimischen Bettes war lauter. Man ist eben doch kein Teenie mehr.

Bildquelle: Jasmina Luchs

Autor: Jasmina Luchs

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