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11.07.2014 | | Lifestyle

Achtung! Achtung! Nackte Männer auf der Straße!

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Ein erschreckender Trend bahnt sich den Weg in den Mainstream: Die nackte Männerbrust!

Es geht darum, dass sich in diesem Sommer immer mehr Männer mit ihrem freien Oberkörper schamlos in der Öffentlichkeit zeigen. Auf dem Fahrrad, in der Fußgängerzone und auf Parkbänken. Früher war es lediglich Bauarbeitern gestattet, ihren meist von Bier geformten und von der Sonne gegerbten Oberleib nackt in aller Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei gibt es drei verschiedene Kategorien von Semi-Nudisten:

Die Flachbrust

Die meisten Semi-Nudisten sind genau diejenigen, die es sich am allerwenigsten erlauben können: käsig weiße, ausgemergelte Leiber, die von Muskeldefinition so weit entfernt sind, dass ihre Brust glatt zweidimensional wirkt. Das blendende Weiß ihres Pectoralis wirkt dabei wie ein natürlicher Instagram-Filter, der sie zu einem Realität gewordenen, überbelichteten Foto macht. Dennoch zieht die Spezies der Flachbrüstigen auf Gedeih und Verderb blank. Sie kokettieren mit ihrer Hühnerbrust und wollen einen Kontrapunkt zum, ihrer Meinung nach vermeintlich Überhand nehmenden, Körperkult setzen: „Ich bin ein Hänfling und geil! Mein Selbstbewusstsein ist so überirdisch, dass ich meine teigfarbene Brust überall zeige!“. Dass das allerdings niemand sehen möchte, interessiert sie nicht.

Die Pumperbrust

Der Pumperbrüstige ist ein sehr archaischer Typus, der zwar immer wieder für tot erklärt wird, aber dennoch nie abtritt. Er zeichnet sich durch eine steroid-gestählte Brust und bullige Oberarme aus – selbstverständlich ohne Definition, hier geht es um Masse. Hauptsächlich trifft man ihn im Fitnessstudio an, respektive abends vorm Club als Türsteher. Da er ein wenig aus der Mode gekommen ist, ist er sehr zurückhaltend, was die Semi-Nudität angeht. Nur selten hat man das Glück, eines dieser Exemplare mit freiem Oberkörper in der Öffentlichkeit zu sehen. In winzigen Tanktops, aus denen die halbe Brust purzelt, schon eher. Sie wollen stolz zeigen, wie viel sie trainiert haben und ihre Freundin Jacqueline liebt ihren Muskelberg, wenn er mit ihr – bekleidet mit einer Pumperhose von Uncle Sam, Gürteltasche und Muscle-Shirt – durch Hellersdorf läuft. Pitbull Rico ist immer an ihrer Seite.

Die Studiobrust

Der Studiobrüstige ist eine Abart des Pumperbrüstigen und hat sich evolutionär vor einigen Jahren aus dieser Spezies entwickelt. Da letztgenannte heutzutage ob ihrer aufgeblähten Arme und Brüste meist eher abschätzig betrachtet werden, hat der Studiobrüstige eine natürliche Nische gefunden, indem er zwar trainiert, aber nur um seinen Körper zu „definieren“ und seinen pseudo-gesund-ästhetischen Lifestyle äußerlich zur Schau stellen zu können. Grundsätzlich ist dieser oberflächliche, leicht arrogante Typus mit dem Vogel Pfau zu vergleichen und meist in Szene-Bezirken, -Bars, -Hinterhöfen, oder -Clubs anzutreffen. Da werden Tanktops mit so tiefem Ausschnitt getragen, dass die dünnen, hängenden Trägerchen nicht mal mehr den Versuch unternehmen, die Brustwarzen zu bedecken. Wenn das noch nicht reicht, wird einfach direkt blank gezogen. Natürlich hat er einen ansehnlichen Körper, doch ist dies auch das einzige, was er zu bieten hat und zeigen kann. Die eigene Freundin ist da nur schmückendes Beiwerk, um noch mehr Blicke auf sich selbst zu lenken.

Egal ob Flachbrust, Pumperbrust oder Studiobrust – gemein ist ihnen allen, dass man ob ihrer neuen Vorliebe für die Semi-Nudität den Eindruck bekommt, dass die Herren der Schöpfung den Damen in puncto Körperfixierung hinterher eifern und ihr persönliches Male-Nippelgate inszenieren, um Beachtung zu finden. Ist der Körperwahn nun endgültig auch beim männlichen Geschlecht angekommen? Im Gegensatz zu vielen Frauen haben die Männer mit der Reduzierung auf den eigenen Körper ja kein Problem. Es steckt in den Genen des Mannes, dass wir dank unserer unverhohlenen „Ich-bin-geil“-Attitüde nicht einmal auf die Idee kommen, dass unser Körper vielleicht gar nicht so geil ist, wie wir denken und uns jemand nicht sexy finden könnte.

Doch damit auch noch die Damen der Schöpfung ihr Fett wegbekommen: Ähnliche Typisierungen gibt es auch für die Frauenwelt beim Thema Hot Pants… Doch dazu demnächst mehr…

Bildquelle: Wikipedia.

by AnemoneProjectors.

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